Trauma

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Plötzliche, unvorhergesehene Ereignisse und Erlebnisse können unser Leben verändern. Sie können zum Trauma[1] werden:

  • wenn für einen Menschen das Unfassbare geschieht und…
  • wenn ein Mensch mit der Möglichkeit des eigenen Todes oder dem plötzlichen Tod einer geliebten Person konfrontiert wird oder…
  • wenn eine lebensbedrohliche unkontrollierbare Situation eintritt, bei der der Mensch nicht mehr in der Lage ist, sie zu kontrollieren oder….
  • wenn einem Menschen starke Schmerzen zugefügt werden oder er extrem demütigende Erfahrungen erlebt und…
  • wenn das Ereignis in der betroffenen Person Gefühle von Hilflosigkeit, extremer Angst oder Terror (Schrecken??) auslöst.

Zwei Arten von Traumata

Wir unterschieden zwei Arten von Traumata:

  • eher einmalige, zeitlich begrenzte, zufällige wie z.B. Verkehrsunfälle, Flugzeugabstürze, Brandkatastrophen, Naturkatastrophen
  • länger andauernde und von Menschen absichtlich verursachte Traumata wie z.B. Folter, Kriegserlebnisse und sexualisierte Gewalt.

Nicht jeder Mensch, der solche Ereignisse erlebt, entwickelt danach eine traumareaktive Störung. Eine Situation wird zu einem traumatischen Erleben durch die innere Verarbeitung des Ereignisses auf das der Mensch nicht angemessen vorbereitet ist und das alle seine Bewältigungsmöglichkeiten überfordert.
Dabei sind die menschlich verursachten Traumata der Gewalt schwieriger zu verarbeiten als zufällige wie z.B. Naturkatastrophen, weil sie in einer besonderen Weise unsere Überzeugungen von Sicherheit und Vertrauen erschüttern.

Ein plötzlicher Verlust des Arbeitsplatzes z.B. ist sicherlich eine unerwartete große Belastung und kann Existenzängste auslösen - aber dieses Ereignis führt in der Regel nicht zu Überlebensangst, Panik und dem Gefühl völliger Hilflosigkeit in einem solch massiven Ausmaß.
Wenn aber eine Frau in einem kurdischen Dorf inhaftiert wird, sie von den Wärtern geschlagen, ausgezogen und ihr sexuelle Gewalt angedroht wird, oder wenn ein junger Mann in Sri Lanka erlebt, wie plötzlich Bomben fallen und seine Mutter vor seinen Augen stirbt, dann fühlen sich diese Betroffenen in den meisten Fällen hilflos, ausgeliefert, dem Tode nah.
Ein Forscher hat einmal gesagt: „Traumatische Situationen sind diese, in denen wir eigentlich gestorben wären. Unser Nervensystem ist nicht darauf ausgerichtet, diese extremen Situationen lebend zu überstehen – und funktioniert danach gestört.“

Folgen einer Traumatisierung

Nach einem traumatischen Ereignis haben die Betroffenen meist das Gefühl verletzt zu sein, im Körper und in der Seele. Dennoch führen diese schwierigen Erfahrungen nicht bei jedem Mensch dazu, dass er psychisch krank wird. Menschen sind unterschiedlich und individuell, sie nehmen die Bedeutung von Ereignissen unterschiedlich auf. Traumafolgestörungen sind oft eine normale Reaktion auf unnormale Ereignisse und sie sind gut behandelbar. In unserer Arbeit im PSZ begegnen uns meist diejenigen Traumatisierten, die traumatische Situationen überlebt haben – und daran erkrankt sind. Je gravierender die traumatische Situation, umso mehr Menschen erkranken daran. Nach schweren Autounfällen zeigen 4 – 8% traumatypische Störungsbilder, nach sexueller Gewalt mehr als 50% und nach Konzentrationslagererfahrungen mehr als 75%, zeigen die empirischen Daten.

Die soziale Unterstützung durch Verwandte und Freunde sowie die Lebensbedingungen spielen eine wichtige Rolle. Es ist erwiesen [2], dass die Lebensbedingungen nach dem Ende der traumatischen Situation entscheidend für die Zukunft sind: Die Betroffenen brauchen Sicherheit, soziale Unterstützung und Wärme, Ruhe und auch die Möglichkeit, aktiv zu sein, sich abzulenken sowie Pflichten zu übernehmen.

Übrigens sind die möglichen klinischen Störungsbilder nach einer Traumatisierung sehr unterschiedlich, aber allen gemeinsam sind quälende Erinnerungen und das große Bemühen, nicht daran zu denken und die quälenden Gefühle zu vermeiden.
Um eine Regeneration zu erreichen, ist zunächst echte äußere Sicherheit erforderlich. Traumatisierte Flüchtlinge brauchen Schutz – und zwar nicht nur befristet, bis sie wieder gesund genug sind, um abgeschoben zu werden. Denn diese Drohung setzt einen Teufelskreis in Gang. Ohne Schutz und Sicherheit kann es im schlimmsten Falle nicht nur dazu kommen, dass die Betroffenen chronische Ängste und mit der Zeit auch schwer wiegenden körperliche Störungen entwickeln, sondern die gesamte gesundheitliche Situation spitzt sich zu lebensbedrohlichen suizidalen Handlungen zu. Darüber hinaus brauchen traumatisierte Menschen Kontakt und menschliche Wärme – schwierig, wenn ein Flüchtling ohne seine Familie in Deutschland ankommt, oder sogar alle Familienangehörigen verstorben oder verschwunden sind. Und darüber hinaus geht es darum, wieder ein sinnvolles Leben aufzubauen, mit Tätigkeiten und Verantwortung. Bei all dem kann Beratung und Psychotherapie helfen – und vor allem den ersten Schritt zu wagen, das Schweigen zu brechen, sich die Last von der Seele zu reden, das Leiden zu teilen. Um dann wieder Mut zu fassen, sich an eigene Fähigkeiten von früher zu erinnern und sein Leben anzunehmen.

Einzelnachweise

  1. aus dem Griechischen, το τραύμα = Wunde, Verletzung
  2. U.a. durch die Forschungsarbeit von Hans Keilson +weblink
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