Life after torture

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Life after torture - beyond PTSD (Leben nach der Folter - Jenseits der PTSD) war ein Projekt des PSZ zur Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung von traumatisierten Flüchtlingen, das mit Förderung durch die Europäische Initiative für Demokratie und Menschenrechte (EIDHR) von 2006 bis 2008 durchgeführt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Fazit

Das durch die Europäische Initiative für Demokratie und Menschenrechte (EIDHR) geförderte Projekt, in welchem

  • das Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge Düsseldorf (PSZ),
  • die Psychotherapeutenkammer NRW (PTK NRW) [1],
  • die Klinik für Psychosomatische Medizin der Uniklinik Düsseldorf [2] und
  • die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT)[1]
    kooperieren, hatte zum Ziel, die psychotherapeutischen Versorgungsmöglichkeiten für psychisch erkrankte Opfer von Folter und organisierter Gewalt zu verbessern. Wenn wir am Ende der drei Jahre Bilanz ziehen und uns fragen, ob das Projekt ein Erfolg war, dann können wir diese Frage mit „Ja“ beantworten. Auch wenn die gesteckten Ziele nicht immer erreicht wurden, so haben wir daraus Neues gelernt und können dieses Wissen auch in Zukunft für die weitere Verbesserung der Versorgung von Folteropfern nutzen.

Mehr als 1.000 PatientInnen wurden versorgt

Insgesamt wurden über die Projektlaufzeit mehr als 1000 PatientInnen in den beiden Behandlungseinrichtungen, dem PSZ und der Psychosomatischen Institutsambulanz, versorgt. Das Angebot reicht hier von präven-tiven Gruppenmaßnahmen über akute Krisenintervention bis hin zu längerfristigen Psychotherapien, begleitet von Sozialberatung und aktivierenden Maßnahmen. Therapien werden durch muttersprachliche Kräfte auf Bosnisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Kinyarwanda, Kisuaheli, Kurdisch (Sorani), Kroatisch und Persisch angeboten oder auch seit vielen Jahren sehr erfolgreich mit Hilfe qualifizierter DolmetscherInnen. Neben der therapeutischen Arbeit besteht eine weitere Aufgabe in der Erstellung von psychotherapeutischen Stellungnahmen, welche zur Vorlage bei Behörden und Gerichten dienen. Folteropfer leben oft als Flüchtlinge unter unsicheren psychosozialen Umständen und sind gesetzlich verpflichtet, an der Klärung ihrer aufenthaltsrechtlichen Situation mitzuwirken, indem sie z.B. entsprechende psychotherapeutische Bescheinigungen vorlegen. In der Institutsambulanz und im PSZ wurden mehr als 700 Bescheinigungen oder Stellungnahmen erstellt, die auch in ca. 40% der Fälle eine Verbesserung der aufenthaltsrechtlichen oder psychosozialen (Arbeit, Wohnung) Situation zur Folge hatten.

Weiterverweise sind weiterhin schwierig

Dies und die Anzahl der versorgten Personen werten wir als unmittelbaren Erfolg der Projektaktivitäten. Das Ziel jedoch die Behandlungskapazitäten in der Regelversorgung zu erhöhen, konnte nicht im angestrebten Ausmaß erreicht werden. Die beiden direkt im Projekt eingebundenen Behandlungszentren können nur ca. 30% der Anfragen selber aufnehmen. Die Bemühungen, PatientInnen, die sich mit der Bitte um Psychotherapie an die beiden Behandlungseinrichtungen wenden, auch an niedergelassene PsychotherapeutInnen zu verweisen, waren weniger erfolgreich. In der Kooperation mit der PTK NRW wurde diese Problematik reflektiert und es wurden vor allem Hindernisse struktureller Art identifiziert: Ambulante Psychotherapieplätze sind rar und die Wartezeiten allgemein lang. Für Flüchtlinge ohne dauerhaftes Bleiberecht gibt es keinen Anspruch auf psychotherapeutische Behandlung, so dass die Kostenfrage entweder ungeklärt bleibt oder die Klärung ein immenses persönliches Engagement der einzelnen TherapeutInnen erfordert, was die Kapazitäten oftmals übersteigt. Die Sprachbarriere stellt eine weitere Hürde dar. Aus dem direkten Austausch mit niedergelassenen KollegInnen erfuhren wir, dass es wenig Erfahrungen beim Einsatz von DolmetscherInnen in der Psychotherapie gibt und auch Bedenken gegen psychotherapeutisches Arbeiten mit ÜbersetzerInnen bestehen. Entscheidend dürfte auch die Frage nach der Finanzierung von Dolmetschereinsätzen sein. Diese strukturellen Hürden sind es, die es KollegInnen in der Regelversorgung erschweren, Folteropfern eine adäquate Behandlung anzubieten. Eine Erkenntnis daraus ist, vor allem die Bedingungen unter denen niedergelassene PsychotherapeutInnen arbeiten, bei weiteren Projektplanungen stärker zu berücksichtigen.

Angebote für Gesundheitsberufler fanden viel Interesse

Mit Informations- und Fortbildungsangeboten zu trauma- und kulturspezifischen Themen, die teilweise in direkter Zusammenarbeit mit der PTK NRW angeboten oder durch diese akkreditiert wurden, konnten im Projektzeitraum mehr als 3000 Personen aus verschiedenen Arbeitsfeldern des Gesundheitssystems erreicht werden. Dies ist als ein großer Erfolg zu werten. So wurde durch die PTK NRW eine Website mit Hinweisen auf die Projektziele eingerichtet [3]. Als herausragende Veranstaltungen sind vor allem das Diversity Training zu nennen, das auch über die Projektlaufzeit hinaus weitergeführt wird, der Kongress „Psychotraumatologie – neue Wege und Entwicklungen“ und die Planung und Mitgestaltung des „Ersten Kongresses für transkulturelle Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im deutschsprachigen Raum“ [4]. Zum internationalen Tag der Folteropfer richtete die PTK NRW eine Pressekonferenz aus. In Kooperation mit der Ärztekammer Nordrhein bot die PTK NRW eine Fortbildungsveranstaltung für Sachverständige zur Begutachtung psychischer Störungen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren an, bei der MitarbeiterInnen der anderen Kooperationspartner - PSZ, Klinik für Psychosomatische Medizin und DeGPT - eingebunden waren.

Auch in Zukunft bieten wir gemeinsame Fortbildungen an

Aus dieser Fortbildungsreihe heraus entstand seitens der Teilnehmenden der Wunsch nach Fortbildung im transkulturellen Bereich mit einem Schwerpunkt auf Behandlungsansätzen. Dieses Anliegen wurde von der Psychotherapeutenkammer NRW aufgegriffen. Im kommenden Jahr wird eine entsprechende Veranstaltung angeboten. Auch im nächsten Jahr werden durch das PSZ viele interessante Veranstaltungen angeboten[5]

Insgesamt blicken wir auf drei erfolgreiche und lehrreiche Projektjahre zurück. Wir möchten es an dieser Stelle nicht versäumen, unseren Partnern für ihre Kooperationsbereitschaft zu danken. Wir freuen uns, dass durch die Projektarbeit neue Kontakte und Ideen entstanden sind, die auch über das Projekt hinaus weiterwirken.

Dipl.-Psych. Jutta Bierwirth, Projektkoordinatorin Annette Windgasse, Leiterin des PSZ Düsseldorf

Dieser Artikel bildete das letzte Projektmailing, das an alle MItglieder der Psychotherapeutenkammer NRW verschickt wurde.

Einzelnachweise

  1. Website der PTK
  2. Website der Klinik für Psychosomatische Medizin der Uniklinik Düsseldorf
  3. Projektvorstellung auf der Website der PTK
  4. www.transkulturellepsychiatrie.de
  5. Siehe Veranstaltungskalender_2009
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