Jahresbericht 2008

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Inhaltsverzeichnis

Dank an unsere Förderer

Wir danken für die finanzielle Unterstützung unserer Arbeit den folgenden Institutionen und deren MitarbeiterInnen, die unsere Anträge bearbeiten, uns beraten und sich dafür einsetzen, dass die Arbeit im PSZ Düsseldorf weitergeht!

  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für die Förderung des Kernbereichs des PSZ und ab Oktober 2008 eines Projektes für neu ankommende unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
  • Innenministerium NW für die Förderung von zwei Personalstellen
  • Evangelische Kirche im Rheinland für die Landeskirchliche Kollekte, die es uns erlaubt, Projekte zu beantragen, in denen Eigenmittel benötigt werden
  • Diakonisches Werk Rheinland – Westfalen – Lippe für Förderung der Arbeit in Projekten und im Kernbereich
  • Europäischer Flüchtlingsfonds (EFF) für die Förderung des Projekts: TAFF - Therapiebegleitende Angebote für Flüchtlinge und Folteropfer
  • EU-Kommission, Europäische Initiative für Demokratie und Menschenrechte EIDHR / Förderung von Behandlungszentren für Folteropfer und
  • United Nations High Commissioner for Human Rights – UN Voluntary Funds for Victims of Torture (UNVFT) für die Förderung des Projekts: Jenseits der PTSD – Leben nach der Folter
  • UNO-Flüchtlingshilfe für Förderung der Arbeit in Projekten und im Kernbereich
  • Hilfe für heute, Forschung für morgen, Düsseldorf für einen Zuschuß zu zwei gefährdeten Personalstellen
  • Children for a better world e.V.
  • Gesundheitsamt der Stadt Düsseldorf für Projektförderung
  • Kirchenkreisverband Düsseldorf, zahlreichen Kirchenkreisen und Kirchengemeinden
  • den Mitgliedern des Trägervereins, Spenderinnen und Spendern

KlientInnenarbeit

Überblick

  • 415 Klientinnen und Klienten aus 41 Herkunftsländern suchten 2008 das PSZ auf.
  • Zusätzlich profitierten von den Leistungen des PSZ 181 nahe Familienangehörige, insgesamt also 596 Personen.
  • Für ca. 400 weitere Flüchtlinge, die nicht als KlientInnen oder auf die Warteliste aufgenommen werden konnten, wurde telefonisch, persönlich oder schriftlich Beratung zu alternativen Möglichkeiten und zum weiteren Vorgehen geleistet.
  • Hauptherkunftsländer waren 2008 Kosovo (54 Fälle), Russische Föderation (24 Fälle), DR Kongo (24 Fälle), Türkei (21 Fälle).
  • Die KlientInnen nahmen insgesamt 3446 Termine an Therapie / Beratung / therapiebegleitenden Angeboten wahr.
  • Durchschnittlich waren so an jedem Öffnungstag des PSZ fast 14 KlientInnen im PSZ.

* rechnerisch 5,3 Fachstellen kamen auf eine Vollzeitkraft so 2,6 KlientInnentermine pro Arbeitstag. (Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Fachkräfte noch eine Reihe anderer Aufgaben in der Projekt- und MultiplikatorInnenarbeit haben.)

  • Diese Kliententermine beinhalten 488 Gruppentermine und 266 Termine, die durch Ehrenamtliche oder Honorarkräfte in der Therapiebegleitung wahrgenommen wurden. 2692 Termine fanden beim hauptamtlichen Fachteam statt.
  • In Therapie, Beratung und Begleitung wurde in 18 verschiedenen Sprachen gearbeitet. Acht Sprachen beherrschen die TherapeutInnen/BeraterInnen ausreichend für die Arbeit bez. sie arbeiten in ihrer Muttersprache, für 10 weitere Sprachen wurden qualifizierte DolmetscherInnen eingesetzt.

Entwicklung bei Klientenzahlen und Herkunftsländern

Es wurden 415 KlientInnen in insgesamt 286 Fällen begleitet, dabei 216 EinzelklientInnen und 70 Familien mit 199 Mitgliedern. Damit wurden etwas mehr Fälle mit etwas weniger Familienmitgliedern erreicht als im Vorjahr.

99 Fälle mit 108 KlientInnen wurden neu aufgenommen, 13 Fälle mehr als im Vorjahr. Davon kamen 14 Fälle ausschließlich zur Begutachtung, 22 zum Clearing und bei Bedarf Krisenintervention und Stellungnahmen, 63 zu längerfristiger Therapie/Beratung.

Mit jeweils 11 Fällen war bei den Neuaufnahmen die Russische Föderation am stärksten vertreten, gefolgt von den Ländern Türkei und Kosovo mit je 9 Fällen, dem Irak mit 8 und der DR Kongo und Iran mit je 7 Fällen.

Bei den neu aufgenommenen KlientInnen waren 36 Minderjährige, also mehr als ein Drittel. Dies war zum einen durch das neue Projekt für unbegleitete Minderjährige möglich, bei dem wir schnell zumindest ein Clearing anbieten können. Zum anderen zeigt sich darin die erhöhte Aufmerksamkeit, die wir den Kindern unserer KlientInnen widmen: einige der neu aufgenommenen KlientInnen sind Kinder unserer KlientInnen, bei denen in der Therapie der Eltern erkennbar wurde, daß sie selbst Bedarf an individueller therapeutischer Unterstützung haben.

Nachdem wir 2007 unser Praxis der Wartelisten überprüft hatten, änderten wir den Umgang damit im Jahr 2008: nur noch KlientInnen für die Therapie/Beratung werden auf eine allgemeine Warteliste aufgenommen. Bei Anfragen für Stellungnahmen/Gutachten werden die Fälle direkt im Team an die entsprechenden Fachkräfte verteilt. Die aufgenommenen Flüchtlinge erhalten damit eine überschaubare Wartezeit von ca. 3 Monaten. Die Fälle, die wir so nicht direkt verteilen können, werden weiterverwiesen. Damit wird vermieden bei, daß Klientinnen auf einer Wartelisten für Stellungnahmen Fristen versäumt werden. Auch wenn es inzwischen etwas mehr niedergelassene PsychotherapeutInnen und ÄrztInnen gibt, die Stellungnahmen schreiben, bleibt beim Weiterverweisen dann das Problem der Finanzierung.

Multiplikatorenarbeit 2008

Es fanden 124 Veranstaltungen mit insgesamt 2526 TeilnehmerInnen statt.

  • 82 davon waren Eigenveranstaltungen des PSZ, die von 837 TeilnehmerInnen besucht wurden; darunter 40 Veranstaltungen im Rahmen von 6 Veranstaltungsreihen (deren TeilnehmerInnen nur einmal gezählt wurden).
  • bei 42 Veranstaltungen anderer Träger wirkten die PSZ-MitarbeiterInnen als ReferentInnen oder Workshop-LeiterInnen etc. mit und erreichten 1689 TeilnehmerInnen.
  • Außerdem beteiligten sich PSZ-MitarbeiterInnen an 51 Treffen von Arbeitskreisen, Gremien, an Konferenzen, Fortbildungsveranstaltungen, Tagungen, Runden Tischen, Vernetzungstreffen und Kooperationsgesprächen

Die herausstechendsten Veranstaltungen 2008 waren der "2. Kongress für Transkulturelle Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im deutschsprachigen Raum" mit ca. 400 TeilnehmerInnen, der in Wien stattfand. Mitarbeiterinnen des PSZ waren direkt in die Organisation und Durchführung des Kongresses involviert oder beteiligten sich als Referentinnen. Ein weiteres Highlight war die Ausrichtung des Kongresses "Psychotraumatologie – neue Wege und Entwicklungen" der durch die RKD organisiert und ausgerichtet wurde. Als national und international anerkannte ExpertInnen konnten u.a. Luise Reddemann, Michaela Huber und Ellert Nijenhuis gewonnen werden. Das Thema Therapie mit traumatisierten Flüchtlingen und Folteropfern konnte den 250 TeilnehmerInnen auf hoher fachlicher Ebene zugänglich gemacht werden.

Projektaktivitäten 2008

Dialog_Kultur

Gefördert durch den Europäischen Integrationsfonds EIF
Projektleitung: Eva van Keuk

Mit einem Integrationsprojekt will das PSZ indirekt für seine eigentliche Zielgruppe - psychisch belastete Flüchtlinge - eine größere Offenheit und eine höhere Qualifikation in der Gesellschaft und in Einrichtungen der Regelversorgung erreichen.

Modul 1 - Interkulturelle Kompetenz und Diversity Training

Das Ziel des Diversity Trainings ist die interkulturelle Qualifizierung und Öffnung der Regeldienste im Gesundheits- und Sozialwesen, um eine effizientere Dienstleistung für die große Gruppe der Zuwanderer aus Drittstaaten zu ermöglichen. Im Gesundheitswesen arbeitet eine Vielzahl von MigrantInnen. Diese werden im hier zugrunde liegenden Konzept des „Diversity Managements“ explizit als Ressource für die interkulturelle Öffnung gesehen: die Vielfalt unter den Angestellten und den Kunden wird als Vorteil für das Innovationspotential, die erfolgreiche Kundenaquise und eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit genutzt. Konkret geht es um ein Bündel an Zielen und Maßnahmen: a) Vermittlung von transkulturellen Basiskompetenzen durch ein 120 Stunden umfassendes Grundmodul für Profis aus dem Gesundheits- und Sozialwesen b) Strukturelle Veränderungen an den Arbeitsplätzen der TeilnehmerInnen durch begleitende Projektarbeit und durch maßgeschneiderte Inhouse-Schulungen c) Interkulturelle Öffnung der Regeldienste durch die Vertiefung der kommunikativen Kompetenzen im interkulturellen Setting (40 Stunden Aufbaumodul für die sprechende Medizin und soziale Beratung). d) Modellhafte Implementierung von interkulturellen Schlüsselkompetenzen in die Ausbildung von Gesundheitsberufen: In Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern (Bund deutscher Psychologen, Ärztekammer Nordrhein) werden Bausteine eines Curriculums zur interkulturellen Kompetenz für MedizinerInnen und PsychotherapeutInnen modellhaft konzipiert. Einzelne Teilmodule werden im Rahmen des Dachverbandes für deutschsprachige Psychiatrie mit TeilnehmerInnen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland erprobt. e) Information für das Fachpublikum: Zusätzlich wird jährlich eine ganztägige Fortbildungsveranstaltung in Kooperation mit der Ärztekammer Nordrhein durchgeführt, um ein breites Fachpublikum auf diese Thematik aufmerksam zu machen, und es werden gezielt Veröffentlichungen in einzelnen Fachjournalen publiziert (u.a. „Ärzteblatt“, „Curare“, „Report Psychologie“).

Die Effekte dieser Maßnahmen sollen möglichst breit gestreut werden und nachhaltig wirken. Dies wird gewährleistet durch ein weiteres Aufbaumodul, in dem TeilnehmerInnen sich selbst zu MultiplikatorInnen weiterbilden (40 Stunden Aufbaumodul Diversity TrainerIn) und im eigenen beruflichen Umfeld durch interkulturelle Trainings sensibilisieren. Um die Attraktivität dieser Fortbildungsmaßnahmen zu erhöhen, bepunktet die Ärztekammer und die Psychotherapeutenkammer NRW diese Fortbildungen.

Modul 2 - Schaffung eines Trauerorts

Zuwanderer finden ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland, aber es bleibt für viele ein Wunsch, in ihrem Herkunftsland begraben zu werden. Wenn Verwandte und Freunde in der Heimat sterben, ist es oft unmöglich, an der Beisetzung teilzunehmen. Es gibt so für viele Migranten keinen Platz, zu dem sie in ihrer Trauer hingehen können und sich dabei gedanklich, gefühlsmäßig und - wenn dies für sie angezeigt ist - spirituell mit ihren Verstorbenen in Verbindung setzen können. Die Bindung an einen neuen Ort, der zu einer echten Heimat wird, benötigt Räume, in denen auch persönliche Trauerprozesse einen Platz haben. In der aktuellen Integrationsdebatte wird vielfach die unzureichende Bindung von Migranten an Deutschland und ihre starke Orientierung an das Herkunftsland thematisiert. Unsere Intervention der Schaffung eines Trauerortes kann hier ein Mosaikstein zu einer echten Bindung, zu einem neuen Heimatgefühl und damit zu einer größeren Bereitschaft, sich auf diese neue Gesellschaft einzulassen, darstellen. Migration bedeutet auch, Abschied zu nehmen und einen Neuanfang zu wagen. Hierbei spielen in der Beratungsarbeit Trauerprozesse, das Vergangene hinter sich zu lassen und sich auf die neue Situation einzustellen, immer wieder eine bedeutende Rolle. Verdrängte Trauer blockiert einen möglichen Neuanfang und kann verhindern, sich auf eine neue Lebenssituation einzulassen. Schlimmstenfalls führen diese verdrängten Prozesse zu handfesten psychischen Krisen, in denen den Betroffenen die Kraft und der Mut fehlt, sich auf die Herausforderung der Integration einzulassen.

Ziel ist es, einen Ort voll Respekt zu schaffen, zu dem Menschen mit ihren kulturellen und religiösen Bedürfnissen und persönlichen Trauerbelastungen hingehen und ihrer Trauer einen ihnen angemessenen Ausdruck verleihen können. Der Ort soll nicht religiös fixiert sein, aber für jedes religiöse Bedürfnis offen sein. Um das zu erreichen, müssen die Menschen, für die dieser Ort gedacht ist, am Prozess der Gestaltung direkt beteiligt werden. Aber auch die ‚Gastgeber’ des Trauerorts, als Vertreter der aufnehmenden Gesellschaft sind am Prozess zu beteiligen, um eine akzeptierende Haltung sicherzustellen. Der Ort soll z.B. in Form einer Skulptur und eine angemessene Umgebungsgestaltung markiert sein. Ziel des Moduls ist aber auch der Schaffungsprozess selbst und die Nutzung der vielfältigen Begegnungen und Auseinandersetzungen, die dabei zu erwarten sind. Von der Öffentlichkeitsarbeit erwarten wir, daß unter dem Thema ‚Tod und Trauer’ ein vertiefter, ernsthafter Zugang zur Situation von Zuwanderern ermöglicht wird, als bei den üblicherweise plakativ dargestellten Medienberichten über Migranten möglich ist. Ohne das gegenseitige Verständnis der vorhandenen Schwierigkeiten und der persönlichen Verletzungen kann kein echter interkultureller oder interreligiöser Dialog gelingen. Lebensereignisse wie Trauerfälle und Verluste sind universell und für alle Menschen, kulturunabhängig, ein Bestandteil des Lebens. Über dieses Thema kann eher eine Gemeinsamkeit entdeckt und gegenseitiges tieferes Verständnis geweckt werden.

Um dies zu erreichen, wurde eine multikulturell und multireligiös aus zehn ‚KulturexpertInnen’ zusammengesetzte Arbeitsgruppe beauftragt, das Projekt ‚Trauerort’ im ersten Projektjahr bis zur Ausschreibungsreife zu bearbeiten. Die Beteiligten haben dazu verschiedene existierende Trauerorte aufgesucht, Kriterien erarbeitet, KlientInnen des PSZ interviewt und die Ergebnisse ausgewertet und einen Workshop durchgeführt mit Mitarbeitern, Vorstand und Ehrenamtlichen des PSZ und einem Vertreter der Diakonie, die eine Freifläche für die Einrichtung des Trauerorts angeboten hat.

Im nächsten Jahr wird eine Ausschreibung an Kunst- und Designstudenten erfolgen, eine Jury ausgewählt an der Zuwanderer und ‚Einheimische’ beteiligt sind, das Projektvorhaben öffentlich bekannt gemacht und es werden Finanzierungsmöglichkeiten zur Gestaltung des eigentlichen Trauerortes eruiert. In der dritten Phase soll die Umsetzung - die Erstellung der Skulptur bez. die Gestaltung des Raumes - und weitere Öffentlichkeitsarbeit erfolgen. Erste Eindrücke von NutzerInnen werden gesammelt und ausgewertet werden.

Guter Start – Bessere Zukunft. Zur Aufnahmesituation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge

Gefördert durch: Bundesministerium für Familien, Frauen, Familie und Jugend
Projektzeitraum: 1.10.2008 - 31.9.2009
Projektleitung: Barbara Eßer

Im Oktober 2008 hat das Projekt „Guter Start – bessere Zukunft“ (GSBZ) begonnen, das ein Jahr lang, aus Mitteln des Bundesministeriums für Familien, Frauen, Familie und Jugend finanziert, die Aufnahmesituation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in den Blick nimmt.

Hintergrund des Projektes ist die Frage, inwieweit besondere Bedürfnisse von allein einreisenden Kindern und Jugendlichen im Aufnahmeverfahren erkannt werden und welche Rahmenbedingungen hilfreich wären, um diese angemessen berücksichtigen zu können. Junge Flüchtlinge, die ohne nahe Familienangehörige in einem fremden Land ankommen, oft nachdem sie Krieg, Gewalt, Elend, den Verlust der Familie erlebt haben, brauchen besonderen Schutz und Zuwendung.

Bei unter 16-Jährigen ist unstrittig, dass sie in Einrichtungen der Jugendpflege in Obhut zu nehmen und in ihrer Entwicklung zu fördern sind. Damit erhalten sie nicht zuletzt die Chance auf einen qualifizierten Schulabschluss.

Anders bei den 16- und 17-Jährigen: Bis zur Änderung des KJHG im Jahr 2005, die die grundsätzliche Inobhutnahme auch der über 16-Jährigen festlegte, führte die bereits mit 16 Jahren eintretende „asylrechtliche Volljährigkeit“ dazu, dass diese Jugendliche in der Regel keinen Vormund und keine jugendgerechte Betreuung erhielten, sondern wie erwachsene Flüchtlinge behandelt und in Flüchtlingsheimen untergebracht wurden. Das bedeutete, dass sie meist keine Schule besuchen konnten und keine Bildungschancen erhielten.

Die Gewöhnung an diese jahrelange Praxis hemmt die Realisierung von Veränderungen im Aufnahmeverfahren, die dem besonderen Unterstützungsbedarf dieser vulnerablen Flüchtlingsgruppe besser gerecht werden. Die gesetzliche Verpflichtung zur Inobhutnahme aller Jugendlichen unter 18 Jahren findet vielerorts nur eingeschränkt statt. Es wird oft die Entscheidung getroffen, dass der Entwicklungsstand des Jugendlichen seine Inobhutnahme in einer Einrichtung der Jugendhilfe nicht erforderlich macht. Die Bestellung eines Vormunds wird seit 2005 zwar regelmäßig veranlasst, was sich jedoch oft wochen- und monatelang hinzieht. Die meisten der 16- und 17-Jährigen gehen daher ohne Vormund und ohne qualifizierte Unterstützung in das Asylverfahren. Es findet in der Regel keine qualifizierte Klärung der Frage statt, ob ein Asylantrag aufenthaltsrechtlich sinnvoll und dem Fluchtschicksal des/der Jugendlichen angemessen ist.

Diese Praxis wird auch der Intention der 'EU-Aufnahmerichtlinie zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern' (Artikel 17, 18 und 20 – besonders bedürftige Personen, Minderjährige und Opfer von Folter und Gewalt) nicht gerecht. Das Projekt trägt zur Umsetzung der Aufnahmerichtlinie bei, indem es bei der besonders vulnerablen Gruppe der unbegleiteten Minderjährigen dazu beiträgt, den Bedarf zu ermitteln und Empfehlungen für das weitere Vorgehen im Einzelfall sowie für die gesamte Gruppe im abschließenden Projektbericht zu geben.

Durch den Wechsel der Zuständigkeit für die Erstaufnahme von Asylsuchenden von Düsseldorf nach Dortmund sind seit Ende 2007 neue Akteure in der Aufnahmephase tätig. Eine wichtige Veränderung brachte die Praxis des Dortmunder Jugendamtes, bei der Inobhutnahme der Jugendlichen nicht mehr pauschal davon auszugehen, dass alle Asylunterkünfte für 16- und 17-jährige Jugendliche geeignet sind. Das hat zur Folge, dass die Jugendlichen nicht mehr im bundesweiten Verteilungsverfahren irgendwohin geschickt werden dürfen. Die Bezirksregierung weist diese Jugendlichen überwiegend nach Dortmund zu, so dass hier plötzlich eine erhebliche Konzentration minderjähriger Flüchtlinge entstanden ist, die das Jugendamt, die Betreuungs¬einrichtungen und die Beratungsstellen vor ganz neue Aufgaben stellt.

Um die die Aufnahmesituation prägenden Aspekte qualifiziert erfassen zu können, arbeiten in dem Projekt ein Psychologe Michael Hoshino, ein Sprach- und Kulturmittler Abdoulaye Amadou und eine Verfahrensberaterin Barbara Eßer eng zusammen. Sie bieten psychosoziale Klärungsgespräche für junge Flüchtlinge im Alter von 16 und 17 Jahren in drei Phasen des Aufnahmeverfahrens an: • in der ersten Phase direkt bei der Meldung in der Zentralen Ausländerbehörde Dormund • in der Phase der Unterbringung in einer der beiden Erstaufnahmeeinrichtungen in NRW, in Schöppingen und in Hemer • in der daran anschließenden Phase der kommunalen Unterbringung, allerdings nur im ersten Aufenthaltsjahr.

Dabei gehen sie folgenden Fragen nach: • Wie sehen die Abläufe in der Aufnahmephase konkret aus? • Wie stellen sie sich aus der Perspektive der Jugendlichen, der Behörden und der Beratungs- und Betreuungseinrichtungen dar? • Wie werden die teilweise im Konflikt stehenden aufenthaltsrechtlichen und kinder- und jugendrechtlichen Regelungen konkret umgesetzt? • Gibt es aus psychosozialer, psychotherapeutischer, pädagogischer Perspektive Veränderungswünsche? • Wie lassen sich besondere Bedürfnisse und psychische Belastungen bei alleinreisenden Kindern und Jugendlichen besser erkennen und berücksichtigen?

Es wurden zu Beginn des Projekts vor allem Gespräche mit den beteiligten Behörden, Einrichtungen und Beratungsstellen im Umfeld der Erstaufnahmeeinrichtung in Dortmund geführt, um sie über das Projekt zu informieren und mit ihnen einen konstruktiven Dialog über die Situation der Kinder und Jugendlichen sowie der auftretenden Probleme zu führen. Ende Januar 2009 wurde von den MitarbeiterInnen des Projektes im Dortmunder Jugendamt eine Fortbildung zur psychologischen, kulturellen und aufenthaltsrechtlichen Fragen der Aufnahme von Jugendlichen angeboten, die auf so große Resonanz stieß, dass eine Folgeveranstaltung im April geplant ist.

Von Oktober 2008 bis Februar 2009 fanden knapp 20 psychosoziale Klärungsgespräche mit unbegleiteten Jugendlichen statt, die überwiegend durch BetreuerInnen der Jugendhilfeeinrichtungen, vor allem auch aus Düsseldorf, und der Verfahrensberatungsstellen angeregt wurden. Die Ergebnisse der Gespräche werden, in Absprache mit den Jugendlichen, in Form einer Empfehlung an die zuständigen Fachkräfte weitergegeben.

Bei den meisten dieser Jugendlichen besteht ein dringender therapeutischer Behandlungsbedarf. Zwei wurden aufgrund akuter Gefährdung direkt in Therapie aufgenommen, doch weitere Aufnahmen im PSZ sind infolge fehlender Kapazitäten aktuell nicht möglich. Dies ist schon im Vorfeld von Klärungsgesprächen immer wieder sehr deutlich hervorzuheben, um keine falschen Hoffnungen zu wecken. Insgesamt sind noch mit etwa 50 Jugendlichen psychosoziale oder diagnostische Klärungsgespräche bis Juli 2009 vorgesehen.

Aus den Erkenntnissen der Klärungsgesprächen und des Austauschs mit den behördlichen und institutionellen MitarbeiterInnen wird ein Bericht erstellt, der zu einem Guten Start und einer Besseren Zukunft für die Jugendlichen beitragen möchte.

NOUR - Netzwerk Empowerment für Flüchtlingsfrauen

Auszug aus dem Abschlußbericht von Gisela Schoedon

Projektträger: Al Dar Berlin Gefördert durch den Europäischen Flüchtlingsfonds EFF Projektleitung: Gisela Schoedon, Moderatorin in Düsseldorf: Ekta Muthreja Ein Kooperationsprojekt von 5 Einrichtungen in Berlin, Stuttgart, Saarland, Düsseldorf

Das Projekt NOUR – Netzwerk Empowerment für Flüchtlingsfrauen mit Gewalterfahrung soll die betroffenen Frauen darin unterstützen, • ihre Gewalterfahrungen zu verarbeiten, angemessene Strategien zu entwickeln, sich vor geschlechtsspezifischer Gewalt zu schützen, dadurch • Reflektionsprozesse in den Flüchtlingscommunities anzuregen und helfen adäquate Kriterien zu entwickeln für den Integrationsprozess, die .besonders die heikle kulturelle Differenz der Stellung der Frau und das Konzept der “Ehre“ berücksichtigen. • Diese Kriterien sollen wieder Eingang finden in die Struktur der institutionellen Integrationsarbeit in Deutschland. Es waren 57 Flüchtlingsfrauen mit Gewalterfahrung in 5 Regionalgruppen im Projekt NOUR engagiert.

In diesen fünf Gruppen wurden die Frauen in der Verarbeitung ihrer Flucht- und Gewalterfahrungen unterstützt. Dabei wurden in Gruppen- und Einzelgesprächen Gewalterfahrungen als Frau sowohl im Heimatland und auf der Flucht als auch in der Familie angesprochen. Ein Schwerpunkt der Arbeit dabei war die Entwicklung von Strategien zum Selbstschutz.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Auswertung der Erfahrungen der Flüchtlingsfrauen hier in Deutschland. Als Grundlage dazu dienten die Themenbereiche des von UNHCR initiierten Age, Gender and Diversity Mainstreaming/AGDM. Diese Themenbereiche wurden in Form von Fragebögen in die Regionalgruppen eingebracht und dort bearbeitet.

Die Gruppenzusammensetzung war sehr unterschiedlich und dem zufolge auch die Gruppenprozesse. Zum einen setzten sich drei Gruppen aus verschiedenen Herkunftsländern zusammen, die verstreut im weiten Umkreis um die durchführende Partnerorganisation lebten (Saarland, Düsseldorf, Stuttgart) und zum andern um kulturhomogene Gruppen, die vornehmlich im gleichen Stadtteil lebten (Berlin: Hinbûn, kurdische Frauen; Al Dar, arabische Frauen). Während in den gemischten Gruppen die Erfahrungen von Frauen aus verschiedenen kulturellen Hintergründen eingingen und eine Vernetzung zwischen den Kulturen entstand, konnte in den homogenen Gruppen spezifischer auf die Erfahrungen von Frauen aus diesem Kulturkreis eingegangen werden und besondere Probleme dieser Gruppe erfasst und angegangen werden. … In Düsseldorf waren Gruppenvorerfahrungen bei den Teilnehmerinnen nicht vorhanden, die Gruppe wurde im Rahmen des Projektes neu gebildet. Demzufolge brauchte der Gruppenfindungsprozess länger. Dann aber arbeitete die Gruppe intensiv entlang den Themenbereichen des von UNHCR initiierten Age, Gender and Diversity Mainstreaming/AGDM. …

Bei aller Unterschiedlichkeit der Prozesse stellten sich doch viele Gemeinsamkeiten heraus: • Für alle Gruppenteilnehmerinnen war die durchführende Partnerorganisation mit ihrem Zentrum der zentrale und zum großen Teil einzige Zugang zu staatlichen Unterstützungsprogrammen. Regeleinrichtungen waren entweder nicht bekannt oder aus verschiedenen Gründen (so wurde z.B. mangelnder Respekt beanstandet) schlecht zugängig. • Die meisten Frauen berichteten, bei ihrer Ankunft in Deutschland kaum oder nur bruchstückhaft über ihre Rechte und Pflichten und die allgemeine gesellschaftliche Situation informiert worden zu sein. • Alle Frauen hätten sich einen frühen und besseren Deutschunterricht gewünscht. • Alle Frauen bemängelten die meist lange Zeit der erzwungenen beruflichen Untätigkeit mit der Folge einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit der ganzen Familie, an der wiederum die Frauen zentral zu leiden hatten. • Alle Frauen beklagen die großen Schwierigkeiten, im Heimatland erworbene Qualifikationen hier anerkannt zu bekommen, bzw. den Mangel an beruflichen Eingliederungskursen in ihren erlernten Beruf. • Alle Frauen vermissten eine Wertschätzung Ihrer kulturspezifischen Besonderheiten und sahen wenig Möglichkeiten diese in die deutsche Gesellschaft einzubringen. • Die meisten Frauen wünschten sich eine Horizonterweiterung durch Vernetzung mit andern Frauen an andern Orten, mit deutschen sowie mit Frauen aus anderen Kulturkreisen, wodurch sie auch ein besseres Verständnis und bessere Kenntnisse von Deutschland und dem Leben hier gewinnen könnten.

Durch ihre Mitarbeit in den NOUR-Gruppen lernten die Frauen, sich zu artikulieren, sich ein Thema zu erarbeiten, sie übten sich in Gruppenmoderation und vernetzten sich vor Ort sowie überregional. Die Arbeit in den einzelnen Gruppen war sehr intensiv und produktiv. Die beteiligten Frauen äußerten große Zufriedenheit mit dem Projekt NOUR und bedauerten es sehr, dass anders als geplant, die Gruppenarbeit nicht ein weiteres Jahr lang fortgeführt werden konnte. Es war dem Träger und den Partnerorganisationen nicht gelungen, die Finanzierung für ein weiteres Jahr sicher zu stellen. Das Projekt NOUR wurde kontinuierlich begleitet von der Steuerungsgruppe des Arbeitskreises Flüchtlingsfrauen. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse erfolgt auf der Homepage des Arbeitskreises Flüchtlingsfrauen und in einer eigenen Broschüre (dafür konnte eine eigene Finanzierung gewonnen werden).

Jenseits der PTSD - Leben nach der Folter

Gefördert durch: European Initiative for Democracy and Human Rights EIDHR, United Nations Voluntary Funds for Victims of Torture UNVFVT, UNO-Flüchtlingshilfe, DW Rheinland, Land NRW Projektzeitraum: 1.1.2006 - 31.12.2008 Projektleitung: Dipl.-Psych. Jutta Bierwirth

Menschen, die als Flüchtlinge in Deutschland leben, sind vielfach Opfer massiver Gewalt durch Kriegs- oder Bürgerkriegsereignisse, durch Folter oder andere Formen organisierter Gewalt. In deren Folge leiden sie häufig unter schweren traumareaktiven psychischen und (psycho-)somatischen Beeinträchtigungen. Gleichzeitig haben Flüchtlinge als AsylbewerberInnen jedoch nur eingeschränkten Zugang zur gesundheitlichen Regelversorgung. Ihre Versorgung stellt daher eine besondere gesellschaftliche, ethische und fachliche Herausforderung dar. Das Gesundheitssystem in Deutschland ist von seinem Selbstverständnis her für alle EinwohnerInnen da. Einer adäquaten Nutzung durch traumatisierte Flüchtlinge stehen aber Barrieren entgegen, zu deren Überwindung das Projekt beitragen soll. Gesundheitsberufler und entscheidungsbefugte Behörden und Politiker sind Schlüsselpersonen bei der Verbesserung der Rehabilitation von Folteropfern. Daher werden in der Regelversorgung tätige ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen qualifiziert und motiviert, ihre Angebote auf die Bedürfnisse von gefolterten Flüchtlingen entsprechend auszurichten und bereitzustellen, so dass Anfragen, bei denen eine Aufnahme durch das PSZ nicht möglich ist, erfolgreich weitervermittelt werden können. Das durch die Europäische Kommission geförderte Projekt Leben nach der Folter – Jenseits der PTSD hat das Ziel, die psychotherapeutischen und psychosozialen Versorgungsmöglichkeiten für traumatisierte Flüchtlinge zu erweitern. Das Projekt wird vom PSZ federführend durchgeführt und hat als Projektpartner die Psychosomatische Ambulanz der Rheinischen Kliniken Düsseldorf (RKD), die Psychotherapeutenkammer (PTK NRW) und die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT).

Die psychotherapeutische Versorgung im Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge Düsseldorf (PSZ) von Flüchtlingen in der Region Düsseldorf, die in Folge von Folter oder organisierter Gewalt psychisch erkrankt sind, wird sichergestellt. Der Fokus für Diagnostik und Behandlung wird über das Störungsbild der PTSD hinaus auf komorbide Störungen ausgeweitet. Die Bedeutung psychosozialer Faktoren wird hervorgehoben, der Rehabilitationsaspekt nach Abklingen der akuten Symptomatik stärker berücksichtigt. In Kooperation mit der Psychotherapeutenkammer (PTK NRW) werden PsychotherapeutInnen, ÄrztInnen u.a. durch akkreditierte Fortbildungsveranstaltungen qualifiziert, um die Vermittlung in die Regelversorgung zu verbessern. Durch fachliche Kooperation im Rahmen eines durch die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) geleiteten Qualitätszirkels und durch Vorbereitung von Behandlungsleitlinien wird das erarbeitete Wissen durch Veröffentlichungen der Fachwelt zugänglich gemacht. Die Ziele des Projekts entsprechen der Intention der 'EU-Aufnahmerichtlinie zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern' (Artikel 17, 18 und 20 – besonders bedürftige Personen, Minderjährige und Opfer von Folter und Gewalt). Das Projekt trägt zur Umsetzung der Aufnahmerichtlinie bei, indem es die fachlichen Grundlagen für Diagnostik, Behandlung und Beratung erweitert, geeignete Methoden erarbeitet und die gesellschaftliche und politische Lobbyarbeit für Folteropfer stärkt.

Im Rahmen des Projektes bestanden Kooperationen mit drei verschiedenen Institutionen und Organisationen:

In der Psychosomatischen Institutsambulanz der Rheinischen Kliniken wurde eine zusätzliche Stelle geschaffen, um dort traumatisierte Flüchtlinge zu behandeln. Zur Zeit arbeiten dort fünf PsychologInnen und eine Ärztin schwerpunktmäßig mit Folterüberlebenden.

Durch die DeGPT wurde ein Qualitätszirkel für Therapeutinnen zum Thema „Psychotherapie mit traumatisierten Flüchtlingen“ angeboten, um sich zu aktuellen fachlichen Entwicklungen und über die praktische Arbeit mit Folterüberlebenden auszutauschen.

Durch die Psychotherapeutenkammer NRW wurde eine Internetseite mit Projektinformationen eingerichtet, es werden regelmäßig Informationen über Projektaktivitäten an die Mitglieder versandt und die angebotenen Fortbildungen zu psychotherapierelevanten trauma- kultur- und asylspezifischen Fragestellungen werden durch die Kammer zertifiziert. Zum Abschluß des Projekts wurde mit dem letzten Projektmailing eine Fragebogen-Umfrage (s. Anhang) unter allen ca. 7200 Kammermitgliedern durchgeführt, die von über 700 PsychotherapeutInnen beantwortet wurde. Die Ergebnisse werden z.Zt. noch ausgewertet.

Den größten Anteil hat die Versorgung von Folterüberlebenden. Im Rahmen des Projektes wurden in den beiden Behandlungsinstitutionen insgesamt nahezu 800 durch Folter, Verfolgung, Vertreibung, organisierte Gewalt, Krieg und Bürgerkrieg traumatisierte Menschen aus mehr als 40 verschiedenen Ländern psychotherapeutisch versorgt.

Trotz aller Erfolge, die in den letzen Jahren erzielt werden konnten, ist die Behandlung traumatisierter Flüchtlinge in der gesundheitlichen Regelversorgung nach wie vor in qualitativer wie quantitativer Hinsicht defizitär. Dies liegt zum einen daran, dass die Behandlung von Flüchtlingen besondere Herausforderungen an die PsychotherapeutInnen stellt, aber auch an strukturellen Hindernissen, die eine angemessene, an fachlichen Standards orientierte psychotherapeutische Behandlung in der Regelversorgung massiv erschwert. Eine für niedergelassene oder auch in Kliniken tätige PsychotherapeutInnen besonders gravierende Schwierigkeit ist ein gesetzlich eingeschränkter Zugang zur medizinischen Versorgung. Flüchtlinge ohne gesicherten Aufenthaltsstatus haben nur in Fällen von akuten Erkrankungen oder Schmerzzuständen Anspruch auf eine Behandlung, was in den meisten Fällen die Finanzierung einer Psychotherapie ausschließt. Diese Einschränkung besteht nach wie vor, ungeachtet einer durch die Europäische Kommission bereits im Jahr 2001 erlassene Richtlinie zur Aufnahme von Asylbewerbern, die auch eine frühzeitige Erkennung und adäquate medizinische und psychotherapeutische Versorgung besonders vulnerabler Gruppen regelt. Dieser Erlass fordert die Mitgliedsländer dazu auf, für die frühzeitige Erkennung dieser Gruppen zu sorgen und adäquate Behandlungsmöglichkeiten für 'Personen, die Folter, Vergewaltigung oder andere schwere Gewalttaten erlitten haben' zu schaffen.

Die Umsetzung dieser Vorgaben erfordert zukünftig von den Versorgungsinstitutionen die Überprüfung der Wirksamkeit von Ansätzen der Psychotherapie mit Folterüberlebenden, die Formulierung von Standards für die Behandlung und die Sensibilisierung der psychotherapeutisch Tätigen im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen und die Information über die komplexen Folgen von traumatischen Ereignissen. Mit den Fortbildungs- und Informationsangeboten konnten wir über 2000 Personen erreichen, die zum größten Teil aus dem Bereich der Gesundheitsversorgung stammten. Mit einem gut besuchten Kongreß in den Rheinischen Kliniken, mit unseren Angeboten zum ‚Diversity Training’ und mit der neu begonnenen Kooperation mit einem großen Psychotherapie-Ausbildungsinstitut ist es uns gelungen, hier neue Aufgeschlossenheit für die Behandlung von Flüchtlingen und Folteropfern zu wecken. Mit den Vorträgen, zu denen uns die Justizakademie NRW zum Thema ‚Traumatisierte Flüchtlinge im Gerichtssaal’ schon seit mehreren Jahren zu Richterfortbildungen einlädt und Kontakte zu PolitikerInnen und BehördenmitarbeiterInnen erreichen wir auch Entscheidungsträger.


TAFF - Therapiebegleitende Angebote für Flüchtlinge und Folteropfer

Gefördert durch den Europäischer Flüchtlingsfonds EFF, Land NRW, Stadt Düsseldorf, UNO-Flüchtlingshilfe Projektzeitraum: 1.1.2008 - 31.12.2020 Projektleitung: Sabine Rauch

Ziel des auf drei Jahre angelegten Projektes ist es, die Soziale Arbeit zielgerichtet auf die Das Projekt besteht aus aufeinander abgestimmten Modulen, mit denen die soziale Situation vulnerabler Flüchtlingsgruppen verbessert werden soll, um die in der Psychotherapie erreichten oder angestrebten Fortschritte abzusichern und den Transfer in den Lebensalltag zu gewährleisten. aus den Erfahrungen der und Traumatherapie wird eine Konzeption zum Spektrum therapiebegleitender Angebote entwickelt und , ‚Beratung und Begleitung junger Flüchtlinge’ letzten Jahren gewonnen Erkenntnissen zu intensivieren, bzw. bestimmte Bereiche in den Mittelpunkt zu stellen, die den Rahmen der klassischen Sozialarbeit sinnvoll ergänzen, um so für die besonders schutzbedürftigen Personen eine Versorgung zu ermöglichen, die den individuell unterschiedlichen Ansprüchen und den Möglichkeiten in der Regelversorgung gerecht wird und diese miteinander verbindet.

Den Rahmen bietet die Konzeptentwicklung zum Spektrum therapiebegleitender Angebote. Im Verlauf früherer Projekte wurden verschiedene therapiebegleitende Angebotsformen entwickelt und erprobt, für die im jetzt eine Konzeption erstellt wird, in der die psychologischen und physiologischen Grundlagen angeführt werden, (Kontra-)Indikationen genannt und eine Handreichung zur Durchführung gegeben werden. Ziel ist eine systematische Integration geeigneter Angebote und die Auswertung und Nutzung der gewonnenen Erfahrungen, die im Anschluss auch anderen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden sollen.

Parallel dazu werden neue Schwerpunkte gesetzt und bewährte Ansätze weiterentwickelt. Besonders fokussiert werden die folgenden Themenfelder a. Befähigung zur Beschäftigung b. Stabilisierung von Familien, Vermittlung zwischen Familien und Jugendhilfe c. Beratung und Begleitung junger Flüchtlinge d. Fachberatung und Informationen für soziale und gesundheitliche Dienste e. Aufbau eines ‚Ehrenamtlichen-Pools’ und deren Qualifizierung und Begleitung

a. Befähigung zur Beschäftigung Psychisch und sozial besonders vulnerable Flüchtlinge benötigen eine auf ihre Biographie abgestimmte Vorgehensweise, damit sie in die vorhandenen Strukturen besser eingebunden werden können. Niedrigschwellige kultursensible Angebote sollen diesen KlientInnen des PSZ wieder Zugang zu sinnvoller Betätigung ermöglichen. Ausgangspunkt sind Beschäftigungsangebote zur Stärkung des Funktionsniveaus (z.B. Ergotherapie, Bewegungsgruppen). Anschließend werden individuelle Profile der Kompetenzen, Wünsche und Förderbedarfe erstellt und entsprechende Maßnahmen angebahnt. Durch diese direkt auf den einzelnen Flüchtling bezogene Kompetenzbilanz sollen die Fähigkeiten und Qualifizierungen sowie die Einschränkungen und Besonderheiten so erfasst werden, dass sie für die reguläre Beratung nutzbar wird. Dabei wird die Kooperation mit Arbeitgebern, Beschäftigungsträgern, Argen und Einsatzstellen für ehrenamtliche Arbeit gesucht. Durch Einbeziehung von berufserfahrenen Ehrenamtlichen wird eine individuelle praxisorientierte Begleitung ermöglicht, die je nach Möglichkeiten und Bedarf, ein Zugang zu ehrenamtlichen Praxisfeldern, Hospitationen in verschiedenen Arbeitsbereichen und bez. zu Erwerbstätigkeit schafft. Die gesellschaftlichen Zugangsbarrieren für Flüchtlinge sollen auf Seiten der arbeitssuchenden Flüchtlinge wie auch auf Seiten möglicher Arbeitgeber und vermittelnder Stellen durch Informationen und Vermittlung überwunden werden.

b. Stabilisierung von Familien, Vermittlung zwischen Familien und Jugendhilfe Ziel ist die Vermeidung von fatalen innerfamiliären Entwicklungen und von Fremdunterbringung von Kindern. In den Fällen, in denen Kinder bereits fremd-untergebracht sind, sollen die Angebote einer weiteren Entfremdung von der Herkunftsfamilie entgegenwirken und eine Rückführung in die Familie, wo dies mit dem Kindeswohl vereinbar ist, kultursensibel begleiten. Für dieses Vorhaben ist die interkulturelle Öffnung sozialer und pädagogischer Einrichtungen unerlässlich. In diesem Arbeitsfeld werden individuell auf die jeweilige Familie zugeschnittene Unterstützungsformen erarbeitet. Das Angebotsspektrum umfasst: Beratung und Moderation der Gespräche zwischen Jugendamt und Familie, Einleitung sozialpädagogischer Familienhilfe, Begleitung des Umgangs, Beratung der beteiligten Jugendämter und der Heime bez. Pflegefamilien. Besondere Berücksichtigung erfahren wegen ihres besonderen Bedarfs alleinerziehende Eltern.

c. Beratung und Begleitung junger Flüchtlinge Ziel ist, durch frühzeitige niedrigschwellige Unterstützung junger Flüchtlinge eine schnelle psychische und soziale Stabilisierung zu erreichen, um es ihnen zu ermöglichen, die Chancen von Schule bez. Ausbildung zu nutzen und einer Chronifizierung von Beschwerden und fatalen Entwicklungen, wie z.B. Suizidgefahr, Drogenkonsum, Abrutschen in kriminelle Milieus etc. vorzubeugen. Junge Flüchtlinge werden durch stationäre und ambulante Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, Jugendämter, Schulen, Kindergärten, Familienzentren, Beratungsstellen sowie flüchtlingsspezifische Einrichtungen wie Flüchtlingsberatungsstellen, RechtsanwältInnen etc. an das PSZ verwiesen. Ohne die sonst sehr langen Wartezeiten können ihnen im Rahmen des Projekts zeitnah Gespräche zur Klärung der Lebenssituation und des Unterstützungsbedarfs angeboten werden. Darauf basierend wird ein individuelles Unterstützungsangebot erstellt - je nach Problemlage kann die Begleitung durch Ehrenamtliche vermittelt werden. Wenn nötig werden die jungen Flüchtlinge in Kooperation mit den lokalen Trägern der Jugendhilfe in Jugendhilfengebote oder zur Therapie im PSZ oder bei niedergelassenen PsychotherapeutInnen vermittelt. Begleitend werden Gruppenangebote für junge Flüchtlinge eingerichtet, um deren Isolation im Alltag aufzufangen.

d. Fachberatung, Qualifizierung, Information für soziale und gesundheitliche Dienste Ziel ist die Qualifizierung sozialer und gesundheitlicher Dienste für die Bedarfe traumatisierter und vulnerabler Flüchtlinge und die Förderung der interkulturellen Öffnung von Regeldiensten Das PSZ wird von Flüchtlingsberatungsstellen und Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialbereichs in zahlreichen kultur-, trauma- und asylspezifischen Fragen um Informationen und Beratung gebeten. Um diesen Ansprüchen besser gerecht werden zu können, werden die Herkunftsländerinformationen vermittelt, indem jedes Jahr ein relevantes Herkunftsland in den Mittelpunkt gerückt wird und mit Informationsveranstaltungen und -materialien gezielt Informationen und Analysen zur politischen und psychosozialen Situation vermittelt werden.

e. Aufbau eines ‚Ehrenamtlichen-Pools’ und deren Qualifizierung und Begleitung Ein neuer Ansatz der Ehrenamtlichen-Arbeit im PSZ soll einerseits neue personelle Ressourcen zur Unterstützung traumatisierter und anderweitig vulnerabler KlientInnen erschließen und andererseits in der Zivilgesellschaft die Anliegen dieser Klientengruppen verstärkt ins Bewusstsein bringen.Esowohl für neu-ankommende Flüchtlinge wie für Angehörige der Mehrheitsgesellschaft wahrnehmen können.


Angebote für Kinder, Jugendliche und Eltern

PSZ Jugendbereich

Dima Zito

Im PSZ-Jugendbereich werden junge Flüchtlinge - Minderjährige und junge Volljährige unter 27 Jahren - psychosozial, d.h. therapeutisch und sozialpädagogisch / sozialarbeiterisch unterstützt und begleitet. Einige KlientInnen des Jugendbereichs sind unbegleitete Minderjährige, die in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe oder auch alleine in Flüchtlingsunterkünften leben. Die Mehrzahl sind junge Volljährige, die nicht (mehr) von der Jugendhilfe betreut werden, aber noch dringend Unterstützung benötigen.

Fast alle jungen Flüchtlinge sind schwer traumatisiert, unter ihnen ehemalige Kindersoldaten, Zwangsprostituierte, Folter- und Kriegsopfer. Eine Reihe der TeilnehmerInnen wird im PSZ traumatherapeutisch behandelt. Zur Stabilisierung der jungen KlientInnen ist es in der Regel notwendig, sich vor allem in der Anfangszeit der Begleitung um ihre soziale Sicherung zu kümmern. Das bedeutet die Absicherung des Aufenthalts durch fachliche Unterstützung im Verfahren z.B. durch die Erstellung ausführlicher gutacherlicher, psychosozialer oder psychologisch-psychotherapeutischer Stellungnahmen zum Asylverfahren, Vermittlung von Kontakten zu Beratungsstellen und AnwältInnen, teilweise Begleitung zu entsprechenden Terminen und zu Anhörungen beim Bundesamt, Gerichtsverhandlungen und Vorsprachen bei der Ausländerbehörde. Einer ganzen Reihe von KlientInnen wurde aufgrund der Interventionen des PSZ im vergangenen Jahr eine Aufenthaltserlaubnis zugesprochen.

Insgesamt sind die jungen KlientInnen im Verlauf der Begleitung durch das PSZ immer wieder auf Beratung und Unterstützung in behördlichen Fragen angewiesen. Wenn möglich wird diese Aufgabe von lokalen Beratungsstellen übernommen, häufig muss sie doch über das PSZ abgedeckt werden.

Außerdem werden KlientInnen wenn möglich zur weiteren Unterstützung an Einrichtungen der Regelversorgung und der Jugendhilfe vermittelt, z.B. Jugendwerkstätten etc. Darüber hinaus benötigen sie Unterstützung bei der Erarbeitung neuer Perspektiven in Deutschland. Das bedeutet z.B. die Vermittlung von Schulbesuch, Ausbildungsmöglichkeiten etc.

Jugendgruppe

Herzstück des Jugendbereichs ist die Jugendgruppe (Stabilisierungsgruppe für Junge Flüchtlinge) unter Leitung der Traumatherapeutin Dipl. Soz.-päd. Dima Zito und des Dipl.-Psych. Michael Hoshino. Augrund des großen Zuspruchs ist die Gruppe inzwischen auf dreißig TeilnehmerInnen angewachsen, von denen pro Treffen bis zu zwanzig anwesend sind.

Als sehr sinnvoll hat sich das integrative Konzept der Gruppe erwiesen. Die Jugendlichen sind unterschiedlich lange in Deutschland und auch der Grad ihrer Stabilisierung ist sehr unterschiedlich. Einige sehr „fortgeschrittene“ TeilnehmerInnen fungieren als Vorbild- und Integrationsfiguren für die neu Hinzugekommenen. Die Teilnahme an der Gruppe findet therapiebegleitend statt, oder auch während auf einen Therapieplatz gewartet wird bzw. in der Ablösephase. Die TeilnehmerInnen sind aus verschiedenen afrikanischen Ländern und die Kommunikation in der Gruppe findet dreisprachig (Deutsch, Englisch, Französisch) statt.

Ein Ziel der Gruppe ist es, den teilweise sehr isoliert lebenden jungen Flüchtlingen Austausch mit Menschen in der gleichen Lebenssituation und das Gefühl von Zugehörigkeit zu ermöglichen. Die Rückmeldung der TeilnehmerInnen ist fast durchgängig, dass ihnen die Gruppe sehr wichtig ist, dass sie sich hier zuhause und wie in einer Familie fühlen. Die von den Fachkräften angeleiteten Treffen bilden den Rahmen zur Vernetzung und Eigenaktivierung der TeilnehmerInnen. Und es ist deutlich, dass die Jugendlichen die Gruppe als „ihren Raum“ begreifen. Immer wieder bringen sie auch selbst weitere Jugendliche mit, die ihrer Einschätzung nach Anbindung und Unterstützung benötigen, die von den weiteren TeilnehmerInnen integriert werden. Es ist gelungen, in der Gruppe eine Atmosphäre der Wertschätzung und gegenseitigen Unterstützung zu schaffen, die von den Jugendlichen getragen und gehalten wird und von der sie profitieren.

Nachdem eine Zeitlang regelmäßige Ausflüge organisiert wurden, finden die Treffen momentan meist in den Räumen des PSZ statt. Derzeit haben sie in der Regel folgenden Ablauf: Zu Beginn gibt es meist eine Vorstellungs- und Befindlichkeitsrunde. Zur Auflockerung und zum Kennenlernen werden zwei Gruppenspiele z.B. mit Musik und Bewegung durchgeführt. Dann gibt es meist einen inhaltlichen Block, z.B. werden bestimmte Fragen von den Jugendlichen in Kleingruppen besprochen und die Ergebnisse danach in der großen Gruppe zusammen getragen. Zum Abschluss der Gruppentreffen wird den TeilnehmerInnen, die seit dem letzten Termin Geburtstag hatten oder eine Aufenthaltserlaubnis bekommen haben, ein Kuchen überreicht, der dann von allen gemeinsam mit Kaffee und Tee verspeist wird. Die Jugendlichen haben so die Möglichkeit zu informellem Austausch untereinander. Wenn es Gesprächsbedarf mit den anwesenden Fachkräften gibt, können dann kurze Einzelgespräche geführt bzw. Termine vereinbart werden.

Ferienfreizeit und Theaterprojekt

Mit Förderung des Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit-Kultur-Bildung konnte auch im Jahr 2008 wieder eine fünftägige Ferienfreizeit im Westerwald durchgeführt werden, in deren Rahmen die Jugendlichen, angeleitet vom Theaterpädagogen Matthias Huppenbauer, ein Theaterstück „Der Traum des Herrn Gando“ erarbeiteten, das sowohl im PSZ als auch bei der Afrika-Woche in Krefeld aufgeführt wurde.


Räume für Träume - Sommer-Gruppentherapie und Elterntraining

Anja Baumann, Jessica Schwittek, Fatemeh Serdani

Die Lebenssituation junger Flüchtlinge ist schwierig: Sammelunterkünfte, Armut, eingeschränkte medizinische und psychotherapeutische Versorgung, unsichere Zukunftsperspektiven etc. belasten ihre Entwicklung. Zusätzlich leiden viele unter der oftmals hohen psychischen Belastung ihrer Eltern oder haben eigene traumatische Erfahrungen zu verarbeiten. 62% der Flüchtlingskinder leiden nach einer Studie der Uni-Klinik Hamburg unter behandlungsbedürftigen psychischen Störungen.

Daher haben wir Kindern während der Sommerferien ein Gruppenprogramm angeboten. Ziel war es, die Kinder zu stärken, damit sie besseren Zugang zu eigenen Ressourcen finden, um bestehende Probleme besser bewältigen zu können und neue Perspektiven zu entwickeln. Ursprünglich war die leitende Durchführung des Gruppenprogramms durch die im PSZ tätige Kinder- und Jugendtherapeutin Sari Serdani geplant, die jedoch aus Krankheitsgründen leider nicht teilnehmen konnte. So wurde die Leitung der Gruppe von der Therapeutin Anja Baumann in Kooperation mit Jessica Schwittek übernommen, die im Rahmen ihrer Diplomarbeit nun auch die Ergebnisse der Kindergruppe evaluiert. Unterstützt wurden sie von jeweils im PSZ tätigen Praktikantinnen.

Zunächst wurden diagnostische Vorgespräche mit Eltern und Kindern durchgeführt, woraus sich schließlich eine Gruppe von ca. 10 Kindern im Alter zwischen 9 und 14 Jahren aus unterschiedlichen Herkunftsländern (Tschetschenien, Ruanda, Türkei, Äthiopien …) ergeben hat, deren Eltern bereits in therapeutischer Behandlung im PSZ sind.

Während der Sommerferien fanden dann insgesamt 6 Termine à 3 Stunden statt. Diese bestanden immer aus 3 Phasen: o zunächst einer Aufwärm- und Bewegungsspielphase im Garten des nahe gelegenen Stadtmuseums, o gefolgt von einer Einheit im PSZ, in der eine intensive Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema erfolgt ist o und schließlich einer Entspannungseinheit. Die Inhalte entstammen zum Teil dem Manual von Heike Möhlen „Ein Psychosoziales Gruppenprogramm für traumatisierte Flüchtlingskinder“. Aufgrund von spezifischen Besonderheiten der Gruppe und des Gruppenprozesses wurde jedoch von diesem Manual abgewichen und eigene Ideen und Erfahrungen eingebracht. So wurden die Termine immer jeweils nach den vorhergehenden Terminen konkret geplant. Oftmals wurden dann während der Termine auch spontane Änderungen vorgenommen, um adäquat auf die Kinder und ihre Wünsche eingehen zu können.

Die Sitzungen umfassten die folgenden Themen: o Das geheime Land der Seele (Was sind Gefühle? Warum sind sie wichtig?) o Vielfalt bzgl. der Lebensumstände der Kinder (u.a. Vorstellung von mitgebrachten wichtigen Gegenständen) o Ausgrenzung, Abgrenzung (Rollenspiele zu Ausgrenzungserfahrungen und möglichen funktionalen Umgangsweisen) o Achtsamkeit (Sinnesparcours zu den Sinnen Hören, Sehen, Riechen, Fühlen, Schmecken) o Stärken und Ressourcen (Verteilung von Miniaturschatzkisten und Füllen dieser Kisten mit individuellen Stärken und Wünschen, jeweils auf Zetteln notiert) o Träume und Zukunft (Erstellen einer Flaschenpost und „Abschicken“ in den Rhein) Es kamen unterschiedliche Methoden wie Rollenspiele, Malen, Spielen, Phantasiereisen, Kleingruppenarbeit etc. zum Einsatz.

Die Kinder haben meist mit großer Begeisterung und Freude an den verschiedenen Aktivitäten teilgenommen. Es war eine zunehmende Offenheit der Kinder festzustellen (F: „Am Anfang hab ich mich geschämt, herzukommen und dann bin ich gerne gekommen“)und es bildeten sich einzelne Freundschaften mit gegenseitiger Unterstützung. Die Kinder konnten innerhalb der Gruppe positive Erfahrungen machen und erhielten auch aus der Gruppe gute Rückmeldungen. Insgesamt wurde deutlich, über wie viel Ressourcen die Kinder im sportlichen Bereich (v. a. Fußball) und/oder in kreativer Hinsicht verfügen. Einige Kinder wiesen eine hohe Reflektionsfähigkeit und viel Einfühlungsvermögen auf.

Als schwierig haben sich vor allem die Rahmenbedingungen erwiesen: Einige Kinder hatten eine weite Anreise, so dass der zeitliche Aufwand für die zum Teil psychisch sehr belasteten Eltern hoch war. Inhaltlich wurden bei den Kindern unterschiedliche Bedürfnisse deutlich, die auf die Altersunterschiede und unterschiedliche Fähigkeit, sich an Gruppenprozesse anzupassen zurückzuführen sind. Einige Kinder benötigten aufgrund hoher Impulsivität viel Aufmerksamkeit und so war es oft nicht leicht, allen Kindern gerecht zu werden.

Drei Monate nach Ende der Gruppentermine fanden individuelle Nachgespräche zur Evaluation statt. Die Kinder erinnern sich hier gut an die verschiedenen Aktivitäten, wobei als besondere Highlights der Sinnesparcours, die Flaschenpost, die Phantasiereise und einzelne Bewegungsspiele genannt wurden. Sie berichteten, die Gruppentermine hätten ihnen großen Spaß gemacht und äußerten Interesse an weiteren Terminen. Es wurde deutlich, dass einzelne Themen „nacharbeiten“ und oft wurden während der Gespräche beiläufig einzelne Aspekte und Inhalte der Gruppentermine angesprochen.

Die Eltern berichteten in den Nachgesprächen von großer Freude ihrer Kinder an den Terminen bzw. bereits im Vorfeld („A. ist an den Tagen der Gruppentermine um 6:00 aufgestanden, konnte es kaum erwarten und hat schon morgens alles vorbereitet“. „B hat voller Freude gemeinsam mit mir Informationen zu seinem Gegenstand, den er mitbringen wollte, gesammelt - „Auch in traurigen Situationen hat die Vorfreude auf die Termine Z.`s Stimmung gehoben.“...) sowie von besserer Stimmung nach den Terminen („B. hatte danach einen anderen Gesichtsausdruck und gute Stimmung“, „Z. war immer vergnügt und zufrieden nach den Sitzungen.“, „H. hat aufgelebt und hatte immer viele Ideen, was er zu den Terminen mitbringen wollte.“, „I. war immer lebhaft und hatte andere Gedanken nach den Terminen.“), von größerer Offenheit gegenüber anderen (z.B. „Der Kontakt von B. zu anderen Kindern ist besser geworden, er ist offener und lockerer geworden.“) sowie konkrete Verhaltensänderungen („H. ist ruhiger geworden und hatte weniger ‚Ausfälle.’“).

Da die Kinder in den Nachgesprächen den Wunsch nach einem weiteren Treffen äußerten, haben wir sie zu einem gemeinsamen Nachtreffen eingeladen. Hier wurden spielerische Übungen zu den Themen Körpergrenzen und Emotionen gemacht. Die Eltern trafen sich während dessen mit der Kinder- und Jugendtherapeutin Sari Serdani zu einem kurzen Elterntraining, wobei mit Rollenspielen Lösungen zu ihren konkreten Anliegen erarbeitet wurden.

Insgesamt haben sowohl die Kinder als auch die Gruppenleiterinnen viele spannende nachhaltige Erfahrungen machen können, dabei viel gelernt und großen Spaß an der gemeinsamen Arbeit gehabt.

Elterntraining
Neben vielen Einzelgesprächen fand parallel zum Nachtreffen der Kindertherapiegruppe ein Elterntraining statt. An dem Treffen nahmen einige Mütter sowie Schwestern und andere Verwandte der Kinder teil. Es ging schnell zur Sache, denn es gab einen regen Austausch über die Kinder und deren Veränderungen, die die Eltern während und nach den Gruppentherapien bemerkt hatten. Je eine Dolmetscherin für Französisch und eine für Russisch sorgten für bessere Verständigung.

Zunächst gab es einen Austausch über Erfahrungen der Eltern während der Gruppe wie zum Beispiel, dass viele Kinder zum ersten Gruppentreff sehr ungern gekommen waren, aber schon bald ihre Freunde in der Gruppe fanden, so dass sie sich zu weiteren Treffen mit Begeisterung vorbereiteten…

Eine Mutter erzählte, dass ihr Sohn sich sehr schnell mit einem anderen Jungen anfreundet habe, er habe sich von ihm akzeptiert gefühlt. Er habe immer Lieder und Geschichten für das Gruppentreffen vorbereitet… eine andere Mutter erzählte, ihr Sohn habe früher immer nur mit schwarzen Stiften gemahlt; sein Interesse für Farben sei durch die Kindergruppe geweckt worden.

Die Schwester eines kurdischen Jungen aus der Türkei erzählte, ihr Bruder sei früher immer alleine gewesen und sehr zurückhaltend gewesen. Die Kindergruppe habe ihn verändert. Er habe sich mit einem Jungen seiner Altersstufe in der Gruppe befreundet. Auch in seiner Schule habe er jetzt Freunde und verstehe sich besser mit seinen Schulfreunden. Ähnliches erzählten auch andere Mütter. Bei vielen Kindern sei durch die Anregungen der Gruppenarbeit Interesse für ihre Heimat, Kultur, Sprache und Geschichte erweckt worden.

Als nächstes ging es beim Elterntreffen um die Frage „Was ist für Sie Erziehung?“ Spontane Antworten waren: - auf Eltern hören und vor den Eltern Respekt haben. - mit Kindern Freunde und Partner sein, dass die Kinder mir alles erzählen. - eine Entwicklung und Weiterbildung ohne Gewalt, - als Eltern vorbildlich sein, akzeptieren, dass Kinder auch Fehler machen, - als Eltern Verantwortung tragen, - als Eltern zuhören können. - Schlagen als Erziehungsmethode wurde von einigen erwähnt.

Hier wurde ein Rollenspiel zu einer typischen Konfliktsituation gemacht: A schildert die Konflikte mit ihrem 11 jährigen Sohn. Sie ist alleinerziehende Mutter und erwartet von ihrem Sohn Gehorsam ihr gegenüber und erwähnt, sie ‚müsse ihn manchmal auf den Popo hauen’. Er könne aber ganz böse zu ihr werden, wenn sie seine Wünsche nicht sofort erfülle. Er habe sie sogar ermahnt, er würde Polizei anrufen, falls die Mutter ihn schlage.

1. Szene: Mutter sitzt vor dem Fernsehen und möchte dringend ungestört Nachrichten hören. Er möchte aber, dass sie sofort mit ihm einkaufen geht und ein neues Spiel für ihn kauft. Er mache sie dann richtig fertig, so lange bis er das bekäme, was er wolle. Wir machten zum Thema ‚Grenzen setzen und Grenzen anerkennen’ ein Rollenspiel in der Gruppe. Darin integrierten wir die Übung „Zuhören“ und wie Zuhören die Aggression beider Seiten mindern kann.

2. Szene: Es gab einige Vorschläge aus der Gruppe, wie z.B. die folgende Szene: Zuerst Nachrichten hören, dann aber ganz aufmerksam ihm zuhören; mögliche Wünsche erfüllen, nicht erfüllbare Wünsche argumentierend diskutieren und nicht nachgeben. Nach dem Rollenspiel entfachte sich erneut eine Diskussion über Zuhören und gehört werden…, respektvoller Umgang der Eltern und liebevolles Zuhören der Kinder und trotzdem deutliche Grenzen setzen. Das Treffen hatte den Eltern sehr viel Spaß gemacht. Sie waren sehr interessiert und haben viel von einander gelernt.

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