Irakische Kriegsflüchtlinge

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Trauma-Arbeit mit irakischen Kriegsflüchtlingen

Cinur Ghaderi, März 2009

In Deutschland werden 2500 irakische Flüchtlinge im Laufe des Jahres aufgenommen. Die ersten sind am 19. März in den Sammelunterkünften in Friedland bei Göttingen angekommen, nach einem kurzen Aufenthalt werden die Flüchtlinge nach einem fixen Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. Es sind irakische Flüchtlinge, die, wie zwei Millionen andere, jahrelang unter schwierigen Bedingungen in Syrien und Jordanien lebten. Aufgrund ihrer Lebenslage hatte sich die Europäische Union bereit erklärt, 10.000 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge im Rahmen eines „Resettlement-Programms“ aufzunehmen. Geprüft wurden diese Voraussetzungen für die Aufnahme in einem mehrstufigen Verfahren bei dem das UNHCR und das BAMF kooperierten. Zu den vom UNHCR angewendeten Kriterien für ein sogenanntes "Resettlement" im Ausland gehören unter anderem eine ausgeschlossene Rückkehr und medizinische Bedürftigkeit. Somit handelt es sich bei diesen Flüchtlingen, die überwiegend christlich sind, ausschließlich um besonders schutzbedürftige Menschen wie Kranke, alleinstehende Frauen mit Kindern, Minderjährige, Angehörige religiöser Minderheiten und Folteropfer. Es wird erwartet, dass viele kriegstraumatisiert sind.

Nicht weil Politiker für eine „Willkommenskultur“[1] im Umgang mit den irakischen Flüchtlingen werben, sondern ganz praktisch stellt sich für Mitarbeiter von beteiligten Organisationen, die die Beratung und Betreuung der Flüchtlinge übernehmen, und bei ÄrztInnen und TherapeutInnen die Frage, welche Angebote für die Flüchtlinge und für die Praktiker sinnvoll sind, welche Rahmenbedingungen Berücksichtigung finden sollten in der (Trauma-)Arbeit mit irakischen Kriegsflüchtlingen, damit sie sie sich schnell orientieren und gut integrieren können.

Da der Irak in den vergangenen Jahren immer an einer der ersten Stellen bei den Herkunftsländern von Asylbewerbern rangierte[2], ist grundsätzlich die Arbeit mit irakischen Kriegsflüchtlingen für die Praktiker nicht unbedingt neu[3]. Neu wird sein, dass es eine Gruppe ist, die zumindest in der Anfangsphase erleichterte und gastfreundlichere Bedingungen vorfinden wird, weil es geladene und gewählte und nicht ungeladene Gäste sind.

Zur systematischen Betrachtung der Ausgangslage für die Arbeit mit irakischen Flüchtlingen ist das Modell zur Problemerfassung von Flüchtlingen nach Abdullah-Steinkopff (2007) hilfreich. Sie unterscheidet vier Ebenen der Betrachtung: die politisch-historische Ebene, die migrationsbezogene Ebene, die kulturelle Ebene und die psychologische Ebene.

Inhaltsverzeichnis

Politisch-Historische Ebene

Geschichte

Bei der psychologischen Versuchung, sich die Genese von Störungen von Anfang an anzuschauen, wird man beim Irak leicht fündig: der Irak war ein Geburtsfehler und seine Bevölkerung leidet heute noch unter den Folgen. Das Gebiet des heutigen Irak gewann erst im ersten Weltkrieg an Bedeutung. Der Irak ist nicht entstanden als politischer oder ethnischer Nationalstaat, sondern der heutige Irak ist infolge kolonialer Interessen konstruiert worden.

Im Ersten Weltkrieg marschierten britische Truppen und arabische Aufständische gemeinsam ein und besetzen 1917 Bagdad gegen den Widerstand türkischer und deutscher Truppen. Konkret besetzen die Engländer die Wilayet (Regierungsbezirke) Basra und Bagdad sowie das erölreiche Gebiet um das Wilayet Mosul. Ihr Ziel war dabei die Schaffung eines probritischen Staates in der Region zur Durchsetzung eigner Interessen an den bekannten Ölvorkommen.

Für die Unterstützung der Briten gegen den Osmanischen Staat wurde den Arabern ein souveränes Großarabien versprochen. Da die Araber den Status als britisches Mandatsgebiet nicht akzeptierten, begannen sie 1920 einen Aufstand gegen die britische Krone. Um die Situation und ihren Hauptverbündeten im Ersten Weltkrieg zu besänftigen, ernannten die Briten Faisal Ibn Hussein 1921 zum König der konstitutionellen Monarchie Irak.

Die irakische Politik wird seit der Staatsgründung 1921 und der Aufnahme in den Völkerbund (1932) von zwei Hauptfaktoren geprägt:

  1. dem Reichtum an Erdöl und den daraus folgenden weltpolitischen Interessen
  2. den ethnisch-religiösen Unterschieden der drei Landesteile, die den ehemaligen osmanischen Provinzen Mossul, Bagdad und Basra entsprechen: Kurden im Norden, sunnitische Araber in der Landesmitte und Schiiten im Süden.

Aktuelle Situation

Bei diesen dauernden ethnisch-religiösen Kämpfen um die Vormachtstellung setzte sich 1968 die nationalistische Baath-Partei durch. Ihre Macht ging 1979 in die Alleinherrschaft von Saddam Hussein über mit dem Ergebnis der bekannten Saddam-Diktatur und der damit verbundenen „politischen Kultur“ der Grausamkeit und Brutalität und die Involviertheit in drei Golfkriege: gegen den Iran (1980-88), Kuwait (1990/91) und dem Irakkrieg 2003. Auch nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 wollte sich der „Nation-buildings“-Prozess nicht nach dem Bilderbuch gestalten und die politischen Neugestaltung des Irak ist bis heute ein zähes Ringen zwischen sunnitischen, schiitischen und kurdischen Kräften und äußert sich z.B. in grundlegende Streitfragen wie die Stärke des Zentralstaates in einem föderalen Irak[4]. Die seit 2005 zunehmenden Kämpfe zwischen Schiiten und Sunniten sowie der islamistische Terrorismus im Irak machten aber die dortige Lage insbesondere für Christen immer bedrohlicher. Von den zuvor 1,4 Millionen Christen sind jetzt nur noch 600.000 in ihren irakischen Heimatgebieten verblieben, ein großer Teil floh in die Kurdengebiete in den Norden, der Rest floh in die Nachbarländer Syrien und Jordanien, einige Gruppen auch in die Türkei, den Libanon und nach Europa.

Flüchtlingsaufnahme 2009

Aktuell sind derzeit ca. 4,6 Mio. Iraker auf der Flucht aufgrund von Bürgerkrieg und Terror. Von ihnen leben 75.000 Iraker - davon ca. 10.000 Christen - in Deutschland.

Diese Situation war der aktuelle politische Rahmen, der Anlass zur Aufnahme der Flüchtlinge gab. Die Not der Christen im Irak rückte erst durch einen Vorstoß von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ins Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit. Angeregt durch alarmierende Berichte nach der Ermordung des Mossuler Bischofs Paulos Faraj Rahho, informierte Schäuble im April 2008 zuerst die Innenminister der Länder und dann seine europäischen Kollegen, dass Deutschland sich dafür einsetze, ein größeres Kontingent von geflüchteten Christen in Europa aufzunehmen. Die EU-Amtskollegen waren anfangs wenig begeistert von der deutschen Initiative. Man dürfe die Entscheidung nicht von der Religion abhängig machen, hieß es. Auch die verfolgten Christen waren skeptisch, denn je mehr Christen den Orient verlassen, desto schwächer werde die Präsenz dieser Minderheit im Heiligen Land der Bibel.

Heterogenität

Der politisch-historische Hintergrund ist insofern relevant für die praktische Arbeit, weil deutlich wird, dass die irakischen Flüchtlinge in Deutschland keine homogene Gruppe sind, sondern sehr unterschiedlich. Die aktuell in Deutschland lebenden irakischen Flüchtlinge haben unterschiedliche Fluchthintergründe und kommen aus verschiedenen Fluchtbewegungen, so sind z.B. während des ersten Golfkrieges überwiegend politische Oppositionelle und männliche Kriegsdienstverweigerer gekommen, später kamen Einzelpersonen und Familien, die vor den Giftgasangriffe und Zerstörungswellen der Saddam-Diktatur im Norden gegen die Kurden und im Süden gegen die Schiiten fliehen konnten, nach dem Sturz des Regimes flüchteten natürlich auch Baathisten, die sich vor Racheakten fürchteten und darüber hinaus flohen viele Iraker in den letzten Jahren insbesondere aufgrund der unsicheren Sicherheits- und Lebenslage durch Bürgerkrieg und Terror.
Die Flüchtlinge vertreten unterschiedliche politische Positionen, es gibt Nationalisten aller Ethnien, Religiöse, Kommunisten, Gemäßigte usw., natürlich gibt es auch unpolitische unter ihnen. Sie haben unterschiedliche religiöse und ethnische Zugehörigkeiten wie Christen, Jeziden, Sunniten, Schiiten und Kurden, Araber, Turkmenen, Keldaner, Assyrer usw.
Die numerischen Verhältnisse der Flüchtlinge in Deutschland spiegeln nicht die Verhältnisse im Irak wieder, allerdings zeigen sie die Vielfalt:

  • Von der heute im Irak lebenden Bevölkerung sind ca. 75 % Araber, 20 %, Kurden, die restlichen ca. 5 % setzen sich aus Turkomanen, Assyrern und Armeniern zusammen.
  • Etwa 95 % der Bevölkerung sind muslimisch, über 60 % sind Schiiten und knapp 35 % Sunniten. Die große Mehrheit der muslimischen Kurden ist sunnitisch.
  • Christen und andere Religionen sind derzeit nur noch mit ca. 5 % vertreten, davon etwa 3 % Christen, während sie vor 100 Jahren noch etwa 25 % ausmachten. Die Übergriffe auf die Chaldo-assyrischen Christen im Irak in den letzten Jahren ließen fast zwei Million Menschen dieser Urbevölkerung des Iraks aus dem Land entfliehen.

Es stellt sich die Frage, wie präsent z.B. für BeraterInnen oder ÄrztInnen die Heterogenität irakischer Flüchtlinge ist. Es ist naiv zu glauben, wenn ich einen irakischen Klienten und einen irakischen Dolmetscher habe, werden diese sich schon verstehen. Anfragen von Institutionen nach einem „irakischen“ Dolmetscher zeigen im Keim, wie wenig sich diese Praktiker mit den Realitäten der irakischen Flüchtlinge auseinandergesetzt haben. Denn eine „irakische“ Sprache gibt es nicht und die Zuordnung nach Religionen wird auch nicht immer zielführend sein. So kann ein Sunnite je nach familiärer und regionaler Herkunft arabisch, kurdisch, turkmenisch sprechen, ein Schiite arabisch oder kurdisch, Christen aramäisch, arabisch und kurdisch. Teilweise hängt es davon ab, aus welcher Stadt oder Region sie kommen. Ein Kirkuki kann meist unabhängig von seiner ethnisch-religiösen Herkunft womöglich arabisch, kurdisch und turkmenisch. Das Kind christlicher Eltern vielleicht nur aramäisch. Daher sollte die Frage nach der konkreten Sprache im Einzelfall gestellt werden, um Kommunikation zu ermöglichen.

Die Nützlichkeit der Konkretisierung zeigte sich mir in einem Fall, als ein Schulsozialarbeiter das PSZ kontaktierte mit der Bitte um ein Clearinggespräch mit einem irakischen Jugendlichen. Es hatte nicht erfragt, welche Sprache er spricht, aber konnte aus seinen Unterlagen ersehen, dass er aus wohl aus Falluja kam. Daher lud ich zu dem Gespräch auch einen arabischsprechenden Dolmetscher ein. Als er kam, stellte sich heraus, dass seine Familie aus den kurdischen Gebieten vertrieben worden war und seine Muttersprache Kurdisch und nicht Arabisch war.

Die Sprache ist die Grundlage der Kommunikation, darüber hinaus spielt aufgrund der chronisch politisierten Konflikte im Irak die politische Verortung des Klienten und des Dolmetschers eine Rolle. Natürlich muss geschaut werden, wie relevant dies im Einzelfall tatsächlich ist. Ziel sollte sein, möglichst wenig Konfliktstoff zu erzeugen. So kann die Kombination eines kurdischen Sunniten und eines arabischen Sunniten trotz der gemeinsamen Religionszugehörigkeit mehr Konfliktstoff erzeugen, als ein kurdischer Sunnite mit einem arabischen Schiiten, bei denen weder Ethnie noch Religion übereinstimmen. Ferner kann es manchmal zwischen Sunniten und Schiiten mehr Spannung geben, obwohl beide muslimisch sind, als zwischen Christen und Muslimen.

Vieles hängt mit historischen und aktuellen politischen Machtverhältnissen und den entsprechenden Identifizierungen der Dominanzverhältnisse zusammen. Jahrzehntelang hatte die zahlenmäßige Minderheit der sunnitischen Araber unter der Saddam-Diktatur dominiert und sich als „Mehrheit“ wahrgenommen. Kurden, Christen, Schiiten nahmen sich als Minderheit wahr. Jetzt haben sich die Machtverhältnisse teilweise verkehrt.

In der Kommunikation entstehen typische Fehler aufgrund der Erwartungshaltungen der beteiligten Gruppen (vgl. Georg Auernheimer, 2002). Personen, die sich als Mehrheit definieren neigen gegenüber Angehörigen der Minderheit zu Abwertung und Herablassung oder auch Idealisierung. Kommunikationsproblems werden auf mangelnde Assimilation des „Anderen“ zurückgeführt. Minderheitenangehörige neigen in der Kommunikation zu Überreaktionen und können enorm kränkbar sein, Kommunikationsstörungen führen sie auf Vorbehalte des Vertreters der Dominanzkultur zurück. Die Konfliktlinien lassen sich allerdings nicht einfach ethnisch oder religiös verorten, denn es sind ethnisierte politische Machtkonflikte. So gab es zu Zeiten der Baathisten auch Kurden oder Schiiten die mit dem Machtapparat kooperierten (die so genannte „Jasch“), ebenso gab es oppositionelle Sunniten. Ein Klient mit baathistischem Hintergrund und einer von Täter- und Opferanteilen geprägten Biographie und ein Dolmetscher, der vielleicht als politisch verfolgter Oppositioneller nach Deutschland geflohen ist, kann einiges an Spannung erzeugen.

Ein irakischer Flüchtling erzählte mir einmal, er sei als Kriegsdienstverweigerer Mitte der 80er Jahre nach Deutschland geflüchtet und sei einem Heim bei Hannover zugewiesen worden, in dem bis dahin nur Iraner lebten. Er sei mit einem der Bewohner nach einem Spaziergang ins Heim gegangen, die zuständige Sozialarbeiterin habe sich erstaunt gezeigt, dass es keine Konflikte zwischen diesem Iraker und den Iranern gab, zumal der Irak-Iran-Krieg im vollem Gange war. Der „Iraker“ war jahrelang im Iran gewesen, konnte persisch und war Kurde, er kam bestens aus mit „den“ Iranern.

Die Betonung der komplexen Vielfalt und Konfliktlinien des Irak soll nicht verunsichern und zum „über-kultursensiblen“ Umgang mit Irakern verleiten. Diese Darstellungen sollen zur Achtsamkeit anregen, z.B. bei der Auswahl von DolmetscherInnen. Für DolmetscherInnen gilt ferner, dass sie entscheiden müssen, ob es ihnen je nach Konstellation gelingt, die Standardregeln eines professionellen Dolmetschersettings einzuhalten, insbesondere die der Unbefangenheit, Schweigepflicht und der Reflektierten Subjektivität (Ghaderi & Van Keuk, 2008).

Migrationsbezogene Ebene

Unabhängig von vorhandener Traumatisierung bedeutet die Tatsache, dass die Flüchtlinge nun mit ihrer Einreise nach Deutschland eine neue Lebensphase in diesem Land in der Migration beginnen. Nach dem Phasenmodell der Migration (nach Sluzki, 2001) haben sie damit die erste Phase der Vorbereitung auf die Migration und den Migrationsakt hinter sich gebracht. Sie befinden sich unmittelbar in der ersten Zeit nach ihrer Ankunft in der Überkompensationsphase, die auch „Honeymoon“- Phase genannt wird. Die Flüchtlinge sind vor allem erleichtert, in Sicherheit zu sein und fühlen sich wie „neugeboren“, Widersprüche und Unstimmigkeiten werden geleugnet, Dissonanzen vermieden und das Leben „schön“ geredet. Eine solche Haltung kann nicht lange aufrechterhalten werden und das große Erwachen nennt Sluzki die Phase der Dekompensation oder kritischen Anpassung und beschreibt es als eine Zeit der Zweifel und des Leidens, der nicht mehr abzuwehrenden Widersprüche.

Für die Arbeit mit der vulnerablen Gruppe der kriegstraumatisierten irakischen Flüchtlinge wird voraussichtlich in der Anfangsphase die Sozialarbeit im Vordergrund stehen und erst zu einem späteren Zeitpunkt vermehrt, je nach Leidensdruck und Behandlungsbedürftigkeit, die psychologische Betreuung. Denn ausgehend von dem genannten Phasenmodell der Migration nach Sluzki ist anzunehmen, dass die Flüchtlinge zunächst darauf bedacht sind, das Leben ans Laufen zu bringen und ein Alltagsleben zu installieren. Unstimmigkeiten werden noch vermieden, die Klärung und Stabilisierung der sozialen und ökonomischen Situation stehen an erster Stelle. Bei einigen Flüchtlingen kann allerdings auch zu diesem Zeitpunkt die medizinisch-ärztliche Versorgung akut sein. In der nächsten Migrationsphase der kritischen Anpassung kommt es häufig zu psychischen Krisen, körperliche und psychische Symptome werden beklagt, die Vulnerabilität für Erkrankungen in dieser instabilen Phase ist besonders hoch, der Bedarf an (ggf. traumaspezifischer) Psychotherapie wird dringender. Diese Phase ist auch eine Zeit des Abwägens, da die „alte“ individuelle und familiäre Identität in Frage stehen kann und eine neue veränderte noch nicht vorhanden ist. Diese Krisen äußern sich nicht selten in Ehekonflikten und Generationskonflikten, die vielleicht zuvor auch latent und in migrationsunspezifischer Form vorhanden sein können. Individuelle Bewältigungsstrategien und psychosoziale Betreuung können einen positiven Verlauf dieser Phase begünstigen.

Kulturelle Ebene

Irakisches Mädchen, die in der Nähe der Al Daura Oil Raffinerie in Baghdad lebt (2003) Bild:Christiaan aus Commons Wikimedia
Irakisches Mädchen, die in der Nähe der Al Daura Oil Raffinerie in Baghdad lebt (2003) Bild:Christiaan aus Commons Wikimedia

Die kulturelle Distanz zwischen Aufnahme – und Herkunftsgesellschaft ist als Quelle von Migrationsstress zu betrachten, wobei gilt, dass je größer diese kulturelle Distanz besteht, desto stärker kulturelle Aspekte Krisen bei Migranten verursachen können (Abdullah-Steinkopf, 2007). Ausgehend von diesen Prämissen bieten sich Annäherungsmöglichkeiten für die Sensibilisierung in der Praxis mit Irakern.

Erwartet werden überwiegend christliche Flüchtlinge, daher liegt die Annahme nah, dass sie sich aufgrund der kulturellen Nähe zur christlich-orientierten Gesellschaft in Deutschland schnell und gut integrieren und der Migrationsstress subjektiv gering ist. Das kann durchaus sein, wobei auch der Islam in den vergangenen Jahren sich immer deutlicher in Deutschland positioniert hat und auch muslimische Flüchtlinge Möglichkeiten finden werden, ihren Glauben zu leben.

Unabhängig von der Religion entscheidet auch die gesellschaftliche Wertorientierung über die kulturelle Distanz und die ist bei Muslimen und Christen aus dem Irak tendenziell patriachal–kollektivistisch, auch wenn sicherlich standardmäßig relativiert werden muss nach soziostrukturellen Merkmalen wie Klasse, Bildungsniveau oder städtische oder dörfliche Herkunftsregion usw. .Das bedeutet, dass es trotz gemeinsamen christlichen Glaubens zu Fremdheitserfahrungen kommen wird.

Ferner ist für Iraker der Einfluss von über 35 Jahren Diktatur und den danach folgenden Zeiten der Unruhe und Unsicherheit für die „kulturelle Identität“ prägend. Je nachdem, ob jemand eher Verfolgter war oder Baathist, hatte er eine andere Position und andere Formen des Arrangements mit den Systemen des Regimes oder der Oppositionen - auch in der Post-Saddam-Ära - um zu überleben. Misstrauen war und ist eine der manifesten Überlebensstrategien, dem „Falschen“ zu vertrauen, konnte das Leben kosten, zumindest aber Nachteile bringen.

Im Kontakt mit den irakischen Flüchtlingen, gerade wenn sie sich noch in Übergangsheimen befinden und in Gemeinschaft leben, sollte der Umgang mit Informationen transparent gestaltet sein. Offenheit sollte für den Umgang mit Themen gelten, die alle betreffen, um Skepsis und Misstrauen vorzubeugen. Anderseits gilt natürlich, dass Informationen, die persönliche Lebenslagen und Traumatisierungen der einzelnen Flüchtlinge betreffen, so kommuniziert werden, dass die Schweigepflicht eingehalten wird und die Würde der Schutzbedürftigen nicht verletzt wird.

Fremdbilder und Erwartungen

Schließlich wird die wahrgenommene kulturelle Distanz bestimmt von bestehenden deutsch-irakischen Bildern, die als Erwartungen die Kommunikation und Beziehungen bestimmen:

Bilder vom Irak existierten bis zu den Golfkriegen kaum in Medien und Öffentlichkeit, sie sind vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten entstanden und haben sich ausdifferenziert.

Die Bilder von Deutschland für Iraker sind sehr ambivalent, einerseits bestehen aktuell hohe Erwartungen an Deutschland als ein hochzivilisiertes, aufgeklärtes und demokratisches Land, das im Irak wichtige Aufbauhilfe leistet. Anderseits gab es in der Vergangenheit Irritationen über die Verwicklungen westdeutscher Firmen für Giftgas zur Saddamzeit und ostdeutscher Stasi-Baath-Verbindungen, die deutsche Abstinenz beim Irakkrieg, der für viele Iraker das Ende der Diktatur bedeutete, gleichzeitig Befremden darüber, das es nun nach Ende der Diktatur deutschen Politikern leichter fällt, sich zur Menschenrechtslage kritisch zu äußern[5] und schließlich die lange fehlende politische Positionierung Deutschlands[6]. Diese politischen Beziehungen werden sicher nur von eher politisch interessierten Irakern und Deutschen wahrgenommen, sie behalten aber ihre Relevanz in Diskursen über die alten und neuen irakischen Flüchtlinge und werden bei Bedarf auch in Zukunft aktiviert.

Da die irakischen Kontingentflüchtlinge von Deutschland aktiv aufgenommen wurden, werden sie vermutlich erwarten, gut aufgenommen und versorgt zu werden. Es wird ihre hohen Erwartungen an Deutschland als humanitäres Land bestätigen. Allerdings werden viele der Flüchtlinge auch überrascht sein von der Intensität des Arbeitslebens und sie werden enttäuscht sein, dass ihre Berufe und Abschlüsse hier nicht anerkannt werden. Im Laufe der Zeit werden sie ihre Bilder von Deutschland erweitern, und sie selbst werden dazu beitragen unsere Bilder vom Irak zu ergänzen.

Psychologische Ebene

Nun werden vulnerable Personen nach Deutschland kommen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben können, was aber nicht direkt zu einer Traumatisierung geführt haben muss. Für die Pathogenese einer traumatischen Störung ist das Bedingungsgefüge zwischen erstens Trauma als Stressauslöser, zweitens individueller Vulnerabilität und drittens der Umweltfaktoren nach dem Ereignis wichtig.

Trauma

Aus der Forschung wissen wir, dass es einen Unterschied macht, ob jemand einen Autounfall hatte, durch Menschenhand gemachte Gewalt erfahren hat oder Zeuge einer grausamen Tat war. Kurz dauernde einmalige zufällige Ereignisse, die Typ I- Traumen führen seltener zu Störungen als Typ II-Traumen, die lang andauernd, mehrmalig, intendiert (man-made-desaster) sind wie z.B. bei Kindesmisshandlung, sexuellem Missbrauch, Krieg und Folter (vgl. Terr 1989). Darüber hinaus formuliert Khan (1974) den Begriff des Kumulativen Traumas und meint damit vornehmlich eine Folge von Ereignissen, die einzeln nicht traumatogen, in der Summe aber sich aufhäufen (kumulieren) können. Eine Reihe von traumatischen Einzelereignissen führt zum Zusammenbruch. Es gibt offensichtlich einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Ereignisse und der Wahrscheinlichkeit zu erkranken. Bei wiederholten traumatischen Erlebnissen, steigt die Vulnerabilität, an einer PTSD zu erkranken, annähernd linear mit deren Häufigkeit zunimmt und bei schwerwiegender fortgesetzter Gewalterfahrung bis zu 100% erreichen kann (Neuner, 2004), d.h. die Prävalenz für PTSD steigt in Abhängigkeit der Anzahl der traumatischen Ereignisse.

Bei Menschen, die vor Krieg, Verfolgung, Bürgerkrieg oft über schwierige Fluchtwege flüchten, sind die Erlebnisse objektiv als Risikofaktor für Traumatisierung zu werten, denn es handelt es häufig um massive, wiederholte, durch Menschen intendierte Ereignisse[7], einhergehend mit existenziellen und irreversiblen Verlusten, es gibt „traumatische Sequenzen“ wie z.B. Gefangenschaft, Fluchtweg, usw. (vgl. Keilson)[8]

Über die Vulnerabilität der kommenden irakischen Flüchtlinge gibt eine nicht-repräsentative Umfrage des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) erste Hinweise. Bei dieser Studie wurden 754 irakischern Flüchtlinge in Syrien im November 2007 nach ihren Traumaerlebnissen befragt. Dabei gaben 77 % der Befragten an, Opfer von Luftangriffen oder Raketenbeschuss gewesen zu sein, 80 % hatten Erschießungen beobachtet, 75 % kannten jemanden, der getötet wurde, 72 % waren Augenzeugen von Autobomben-Attentaten und 16 % gaben Foltererfahrungen an, z. B. durch Elektroschocks oder gezielte Verbrennungen[9].

Somit muss gerade bei den irakischen Flüchtlingen, die organisierte Gewalt erlebt und in Krisengebieten mit kriegerischen Einwirkungen gelebt haben, muss mit einem erheblichen Prozentsatz an Erkrankungen gerechnet werden.

Individuum und Umwelt

Feststellungen über die Vulnerabilität der Flüchtlinge können nur im Einzelfall gemacht werden. Zu den grundsätzlichen individuellen Risikofaktoren für Traumatisierungsstörungen gehören jugendliches oder höheres Lebensalter, Vortraumatisierungen, psychische und körperliche Vorerkrankungen, die Zugehörigkeit zu einer sozialen Randgruppe und ein niedriger sozioökonomischer Status (nach Flatten et al., 2004).

Entscheidend für die Genese einer Störung und deren Entwicklung ist die Umwelt danach, d.h. welche Konsequenzen die Ereignisse sozial, ökonomisch und persönlich haben werden. Die Lage der Flüchtlinge ist seit Jahren dauerhaft schlecht, sonst wäre es erst gar nicht zu einem solchen „Resettlement“ gekommen. Positiv ist, dass sie einen sicheren Aufenthaltsstatus und eine uneingeschränkte Arbeitserlaubnis haben werden und damit erst einmal eine sichere Umwelt. Diese posttraumatisch sichere Umwelt hat neben der Traumaintensität stärkeres Gewicht als die prätraumatischen Faktoren (Brewin et al., 2000), auch nach Keilson ist die dritte Phase der Nachkriegsperiode entscheidend für die Salutogenese (Keilson, 2005).

Die Umwelt danach gestalten im Auftrag der Politik die Institutionen des Aufnahmelands. Zu Bedingungen, die sich ungünstig auswirken für eine posttraumatische Störungsentwicklung gehören eine schlechte Qualität der Aufnahmecamps, ein verzögertes Verfahren, Probleme bei der Anerkennung und kein legaler Aufenthaltsstatus. Zu den protektiven Faktoren das subjektiv erlebte Gefühl von Kontrolle, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit des Erlebten, Soziale Unterstützung, religiöse Orientierung und Bildung (Johnson, H. & Thompson, A., 2008)

Für die irakischen Kontingentflüchtlinge wird es vergleichsweise gute Ausgangsbedingungen geben, da es eine große Bereitschaft bei Politik und in den Instutionen gibt, die Neuankommenden zu unterstützen. Gleichzeitig ist es eine extrem vulnerable Gruppe, ihre Schutzbedürftigkeit war quasi Voraussetzung für ihre Aufnahme, daher müssen wir mit Langzeitfolgen rechnen, ca. 40-60% der kriegstraumatisierten Flüchtlinge leiden unter einer Traumafolgestörung auch Jahrzehnte nach der Flucht und nur bei 25% der Patienten kommt es zu einer Verbesserung der psychischen Symptomatik im Verlauf von 3 Jahren (Mollica et. Al. 2001)

Implikationen für die Trauma-Arbeit

Die Säulen der Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen sind Stabilisierung im äußeren Lebensfeld, die Unterstützung der psychosozialen Situation, die medizinisch-ärztliche Versorgung und traumaspezifische Psychotherapie im transkulturellen Kontext. Die Basis einer traumaspezifischen Einzelpsychotherapie (vgl. Reddemann, 2004) ist die Stabilsierungsphase, die die Entwicklung einer tragfähigen Arbeitsbeziehung, Psychoedukation, die Einordnung von somatoformen Symptomen, die Aktivierung von Ressourcen, Entspannungstraining, Affektregulation und Selbstfürsorge beinhaltet.

Zur Traumatherapie gehört auch langfristig die Integration des Traumas in das bisherige Leben, d.h. Stabilisierung, Verbalisieren, Integration. Integration gelingt dann gut, wenn die Vergangenheit und Gegenwart „sinnvoll“ erscheinen. Dieser Zustand wird sicher erleichtert, wenn die Sprache schnell gelernt werden kann, und die Flüchtlinge nicht stumm zu bleiben brauchen, wenn sie selbst den Mund aufmachen können, wenn Möglichkeiten zu arbeiten gegeben sind, wenn bei Bedarf psychotherapeutische Unterstützung vorhanden ist. Zur Integration kann auch die Religion ein verbindendes Element darstellen, bei denen, die glauben.

Resümee

Die Aufnahme der irakischen Flüchtlinge im Rahmen des Resettlement birgt gute Chancen für die zukünftige Flüchtlingspolitik, für die abgelehnten irakischen und anderen Flüchtlinge, die vielleicht durch eine aufhorchende Öffentlichkeit einer „Zweiklassen-Gesellschaft“ [10] bei Flüchtlingen entkommen können, aber vor allem für die „neuen“ irakischen Flüchtlinge und ihre Zukunft.

Es gibt eine große Bereitschaft und Engagement sowohl bei Fachkräften als auch bei Ehrenamtlichen, die irakischen Flüchtlinge in ihrem neuen Lebensabschnitt in der Migration zu unterstützen. Für diese unterstützenden Gruppen können Fortbildungen und Schulungen zur Sensibilisierung zu relevanten Themen wie u.a. zu kultur-, migration- und traumaspezifischen Aspekten und zur Arbeit mit DolmetscherInnen notwendig werden. Die große Bereitschaft zur Unterstützung kann, wenn das Netzwerk unkoordiniert bleibt, als übertriebener Protektionismus wahrgenommen werden, Abwehr und Aggression heraufbeschwören und enttäuschen. Um ein Gleichgewicht zwischen Unterstützern und Unterstützten zu halten und keine Informations- und Kompetenzasymmetrien entstehen zu lassen, ist es wichtig, auch die Selbsthilfekräfte irakischer Flüchtlinge zu stärken. So können geeignete key persons aus dieser Flüchtlingsgruppe und ggf. aus dem Kreis der bereits hier lebenden Flüchtlinge aus dem Irak identifiziert werden, um mit ihnen im Kontakt Probleme und Lösungsansätze zu klären. Die Auswahl der key persons und DolmetscherInnen sollte achtsam sein und die Heterogenität der Iraker im Auge behalten.

Die vorhandenen Strukturen in den Kommunen, in denen die Flüchtlingen aufgenommen werden, ist sehr unterschiedlich, ebenso ist die konkrete Situation der Flüchtlinge abhängig davon, ob sie Familien sind, Alleinstehende, Alte, Minderjährige usw.

Je nach Lebenssituation werden unterschiedliche Informationen zur Orientierung notwendig werden. Fragen der Schulbildung werden vor allem für Familien oder Frauen mit Kindern relevant sein, die langfristige Integration in den Arbeitsmarkt wird Frauen und insbesondere Männer betreffen, bei Fragen des Zugangs zur Gesundheitsversorgung wird man annehmen, dass die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge Informations- und Beratungsbedarf hat. Der tatsächliche Bedarf an Beratung und Orientierung und die Notwendigkeit der Vermittlung in vorhandene Strukturen und Einrichtungen ist abhängig von der Phase der Migration. Bei der Arbeit mit dieser vulnerablen Gruppe der Flüchtlinge steht in der Anfangsphase die Sozialarbeit im Vordergrund und erst zu einem späteren Zeitpunkt die psychologische Betreuung.

Insofern sind Angebote zur Information, Orientierung, Beratung und Vermittlung bedarfsgerecht und flexibel angepasst an die Erfordernisse zu gestalten. Die Breite der sozialarbeiterischen Interventionen kann hier variieren vom beratenden Einzelgespräch bis hin zu einem Informationsabend, wenn eine größere Zahl der Flüchtlinge offensichtlich eine gemeinsame Frage beschäftigt, bis hin zum Angebot einer Männergruppe, sollte sich wie aus den Erfahrungen mit anderen Migrantengruppen (vgl. Spätaussiedler) zeigen, dass Familienstrukturen auseinander fallen, wenn die Migration geschlechtsspezifisch unterschiedliche Entwicklungen und Handlungsräume bietet, die verarbeitet und neu verhandelt werden müssen.

Die neu aufgenommenen irakischen Flüchtlinge werden mit einer dauerhaften Perspektive nach Deutschland kommen, sie haben von Anfang an eine Aufenthaltserlaubnis und einen sofortigen Zugang zum Arbeitsmarkt. Somit finden sie trotz ihrer Schutzbedürftigkeit und Vulnerabilität Umweltbedingungen vor, die ihnen eine Integration in das neue Leben erleichtern. Dies ermöglicht es, diese positive Situation als Chance zu begreifen, um zu untersuchen, welche Rolle für die Gesundheit und Integration selbst bei einer vulnerablen Gruppe die Umweltbedingungen spielen können.

Diese positiven Bedingungen finden Flüchtlinge mit langen Verfahrensdauern und den damit vorprogrammierten gesellschaftlichen Exklusionsmechanismen (Ausschluss aus Arbeit, Wohnung und vor allem keine dauerhafte Aufenthaltssicherheit) nicht vor, mit dem Ergebnis, dass die psychische und gesundheitliche Situation chronisch labil bleibt und neben der humanitären Frage, die sich hier stellt, auch Folgekosten für das Gesundheitssystem entstehen.

Die Aufnahme der Iraker darf kein Einzelfall bleiben, so die Forderung von Flüchtlingsorganisationen. Sie befürworten seit langem ein Resettlement-Programm, mit dem sich die Bundesrepublik verpflichtet, jährlich ein festgelegtes Kontingent von Flüchtlingen dauerhaft aufzunehmen, wie das von den USA, Kanada, Schweden, Dänemark und Großbritannien längst praktiziert wird. Zur Untermauerung dieser Forderung könnte ein Screening der irakischen Flüchtlinge sinnvoll sein. Um die Bedeutung von dauerhafter Aufenthaltssicherheit, Zugang zum Arbeitsmarkt und von Partizipationsmöglichkeiten an Integrationsmaßnahmen von der Aufnahme an für die Gesundheit und für die Integration der Flüchtlinge zu eruieren, kann eine Studie in Kooperation mit einer Universität erstellt werden. Im Rahmen einer solchen Studie (evtl. Dissertationen) sollten die Flüchtlinge in Düsseldorf und Umgebung in den ersten Monaten nach der Ankunft und dann erneut nach ca. eins bis zwei Jahren in Bezug auf gesundheitsrelevante Aspekte und aktuelle Lebensbedingungen untersucht werden. Die Ergebnisse lassen Rückschlüsse zu, in welchem Zusammenhang dauerhafte Aufenthaltsicherheit und frühzeitige psychosozialen Unterstützung als Prädiktor für Gesundheit und Integrationsfähigkeit von vulnerablen Flüchtlingen stehen kann.

Literatur

  • Abdulla-Steinkopff. B. (2007). Kultursensensitive Arbeit mit Flüchtlingen in Refugio. In Referat für Gesundheit und Umwelt (Hrsg.), Dokumentation des Fachtags Gesundheits- und Krankheitskonzepte im interkulturellen Kontext- Anregungen für eine kultursensitive psychotherapeutische Arbeit mit Migrantinnen und Migranten (S. 30-37). LH-München: Stadtkanzlei.
  • Auernheimer, G. (Hg.) (2002): Interkulturelle Kompetenz und Professionalität. Interkulturelle Studien, Bd.13. Opladen
  • Brewin, C. R., Andrews, B. & Valentine, J.D. (2000). Meta-analysis of risk factors for posttraumatic stress disorder in trauma-exposed adults. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 68, 748-766
  • C. Ghaderi & E. Van Keuk (2008): „Von Gemeinsamkeiten und Unterschieden“, Kapitel: „Transkulturelle Psychotherapie mit traumatisierten Flüchtlingen unter Mitwirkung von DolmetscherInnen“, Das Transkulturelle Psychoforum, Bd. 15
  • de Jong, J.T., Komproe, H., Van Ommeren, M., El Masri, M., Araya, M., Khaled, N., van de Put, W., & Somasundaram, D. (2001). Lifetime events and posttraumatic stres disorder in 4 postconflict settings. Jama, 286(5), 555-562.
  • Gavranidou, M. & Abdulla-Steinkopff, B. (2007). Brauchen Migratinnen und Migranten eine andere Psychotherapie? In: Psychotherapeutenjournal 4/2007, S. 353-361
  • Gorst-Unsworth & Goldenberg (1998): Psychological sequelae of torture and organised violence suffered by refugees from Iraq. British Journal of Psychiatry, 172, 90-94
  • Flatten, G. et al. (2004). Posttraumatische Belastungsstörung. Leitlinie und Quelltext. 2. Auflage. Stuttgart: Schattauer.
  • Johnson, H. & Thompson, A. (2008). The development and maintenance of posttraumatic stress disorder (PTSD) in civilian adult survivors of war trauma and torture: A review. Clinical Psychology Review, 28, 36-47
  • Keilson, Hans (2005): Sequentielle Traumatisierung bei Kindern. Untersuchung zum Schicksal jüdischer Kriegswaisen, Psychosozial-Verlag
  • Khan, M. M. R. (1974): The concept of cumulative trauma. In: M. M. R Khan (Hrsg.). The privacy of the self. London: Hogarth.
  • Mollica, R., Sarajlic, N., Chernoff, M., Lavelle, J., Vukovic, I. S., & Massagli, M. P. (2001). Longitudinal study of psychiatric symptoms, disability, mortality, and emigration among Bosnian refugees, JAMA, 286 (5), 546-554.
  • Neuner, F., Schauer, M., Karunakara, U., Klaschik, C., Robert C., Elbert, T. (2004) Psychological trauma and evidence for enhanced vulnerability for PTSD through previous trauma in West Nile refugees. BMC Psychiatry 4 (1):34
  • Reddemann, Luise (2004): Psychodynamisch imaginative Traumatherapie. Das Manual. Pfeiffer bei Klett-Cotta Stuttgart.
  • Sluzki, C.E. (2001). Psychologische Phasen der Migration und ihre Auswirkungen. In Th. Hegemann & R. Salman (Hrsg.), Transkulturelle Psychiatrie (S. 101-115). Bonn : Psychiatrie Verlag.
  • Sternberg, G. (2007): Irak zwischen Föderalismus und Staatszerfall- Interessen und Handlungsoptionen irakischer und regionaler Akteure. Stiftung Wissenschaft und Politik- Berlin. http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=4150 (Zugriff am 7.4.2009)

Einzelnachweise

  1. Der Begriff stammt vom NRW Integrationsminister Armin Laschet
  2. In Deutschland gehört der Irak seit zehn Jahren zu den drei wichtigsten Herkunftsländern von Asylsuchenden. Von 2000 bis einschließlich 2002 und erneut seit 2006 war der Irak das Hauptherkunftsland. Im Jahr 2007 verdoppelte sich die Zahl der irakischen Asylbewerber (4.327) im Vergleich zum Vorjahr (2006:2.117), auch Anfang 2009 zeigt sich die gleiche Tendenz
  3. In der Stadt Neuss beispielsweise gab es eine so auffällig große Gruppe von Irakern, dass es bereits 1997 zu der Initiierung eines Modellprojektes zur sozioökonomischen Integration der traumatisierten irakischen Flüchtlinge führte
  4. Die Kurden verbinden mit einem starken, aus Bagdad geführten Zentralstaat die Erfahrung einer brutalen Diktatur, daher haben die beiden großen Kurdenparteien PUK und KDP das Föderalismuskonzept in die innenpolitische Debatte in den Irak eingebracht und sind bis heute dessen wichtigste Befürworter geblieben. (vgl. Steinberg, 2007).
  5. Kommentar zum Besuch der ehemaligen deutschen Justizministerin Herta Däubler-Gmelin von Falah Muradkhin Shakaram, 01.03.2009 (wadinet.de Zugriff am 5.3.2009)
  6. Evtl. Veränderungen zeichnen sich ab, das zeigt z.B. durch den Besuch des Bundesaußenministers Frank-Walter Steinmeiers im Februar 2009 im Irak. Das letzte Mal war mit Heinz-Dietrich Genscher 1987 ein deutscher Außenminister im Irak.
  7. 36% der weltweiten Flüchtlingspopulation haben Foltererfahrungen (Baker, 1992; de Jong et al., 2001), 65% einer klinischen Stichprobe männlicher irakischer Kriegsflüchtlinge (Gorst-Unsworth & Goldenberg, 1998)
  8. Aus den Erfahrungen an der kinderpsychiatrischen Universitätsklinik in Amsterdam schreibt Hans Keilson im Alter von 60 Jahren seine Promotion über die „Sequentielle Traumatisierung von Kindern“ (1979) am Beispiel jüdischer Kriegswaisen. Laut Keilson wird ein Trauma als Abfolge traumatischer Sequenzen unterschiedlichen Charakters und Bedeutung interpretiert. Dabei ist für die individuellen Folgen nicht nur entscheidend, was initial erlebt wurde, sondern was auf das traumatische Ereignis folgt.
  9. Ergebnisse der Studie ausführlich abrufbar unter: UNHCR.org (Zugriff am 5.3.2009)
  10. vgl. Hannoverische Landesbischöfin Margot Käßmann im Gespräch mit dem NDR (ndr.de Zugriff am 19.3.09)
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