Hotel Ruanda

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....... Vom Versteck in der Schule ins Hotel Ruanda ....................

Hotel Mille Collines - das Hotel Ruanda

Im Mille Collines zu wohnen, war auch seltsam. Wir hatten ein Doppelzimmer bekommen, vom Direktor persönlich, für vierzehn Personen, und die Interahamwe kamen und gingen nach Belieben, um auszukundschaften, wer sich dort versteckte. Am Tag unserer Ankunft im Hotel besucht uns Leutnant Jean Damascene, gemeinsam mit dem Pfarrer der Gemeinde Sainte-Famille Pater Wencislas Munyeshyaka, um ihm seine jüngsten Rekruten zu zeigen. Beide tragen Pistolen und kugelsichere Westen. Ihr Besuch beunruhigt mich: Ich habe auch zwei junge hübsche Mädchen bei mir, es könnte sein, dass man sie ... Anschließend heißt es dann immer, das Mädchen hat doch eingewilligt, weder geschrieen noch die Flucht ergriffen. An jenem Abend aber, seltsamerweise, wird der Priester einen Segen sprechen. Zunächst beleidigt er die Inkotanyi (die RPF-Soldaten) - und wir, wir pflichten ihm bei, ο ja, dieser Abschaum von Inkotanyi! Ihre Niederlage stehe kurz bevor - und wir pflichten ihm bei, ο ja, diesen Feinden unseres Landes werde bald der Garaus gemacht. Und so wettert er weiter - und wir mit ihm. Schon verrückt, welche Spielchen du mitspielst, nur um dein Leben zu retten.

Dann legt der Priester seine Pistole auf den Tisch und bittet seine Schäflein, sich hinzuknien. Ein völlig absurder Moment. Ich weiß noch, dass ich mir dachte, nein, also wirklich, ich konnte nicht niederknien vor ihm. Nicht auf die Knie. »Verzeihen Sie, Pater, aber ich bin Protestantin.«, und bleibe stehen. Und ich sehe ihn die segnen, die er umbringen würde, ohne mit der Wimper zu zucken. So, jetzt ist er fertig, er zieht sich mit dem Leutnant zurück und bittet eines der jungen Mädchen, sie beide zu begleiten. Sie wird leichenblass, weiß nur zu gut, was das »Begleiten Sie uns!« zu bedeuten hat. Ich habe den rettenden Einfall, ich reiche ihr Babiche und erkläre den beiden Männern: »Nur sie kann mein Baby zum Einschlafen bringen, das Kind braucht unbedingt Ruhe. Aber keine Sorge, ich begleite Sie gern.« Warum zeigen die beiden keine Reaktion? Ich hatte ja nichts zu befürchten, wusste, ich war zu alt, um ihr Interesse zu wecken, und konnte sie den ganzen Weg über in ein Gespräch verstricken: welche Hoffnung, den Krieg zu gewinnen, wann wären die Staatsfeinde endlich ausgelöscht, und, und, und ... An der Hotelrezeption angekommen, lasse ich sie stehen, sie haben mir nicht ein Haar gekrümmt.

Im Hotel, an einem Abend, als es noch Strom gibt, schaue ich CNN. Ich bin schockiert: weil ich nichts Besonderes sehe. Leute kommen und gehen, kaufen ein, niemand kontrolliert ihre Papiere, niemand bringt sie um. Diese Bilder tun mir weh, ich schwöre mir, möglichst nicht mehr fernzusehen. Wenig später fällt ohnehin der Strom aus. Es ist der 17. Juni: In der Nähe unseres Hotels, wenige Meter entfernt, befinden sich eine Kirche und ein Priesterseminar, Saint-Paul und Sainte-Famίlle. Dorthin haben sich Tutsi geflüchtet, und jeden Abend kommen Milizionäre vorbei und suchen sich welche aus, mit stillschweigendem Einverständnis von Pater Wencislas, der für Sainte-Famίlle zuständig ist. Die RPF startet einen eindrucksvollen Überfall auf Saint-Paul und Sainte-Famille, um alle Tutsi zu befreien. Das Grausame dabei war: Diejenigen, die sich nach Sainte-Famille geflüchtet hatten, begriffen nicht, dass man sie retten wollte, im Gegensatz zu denen in Saint-Paul, die evakuiert werden konnten. Tags darauf haben die Interahamwe alle, die noch in Sainte-Famille geblieben waren, abgeschlachtet.

Ausschnitte aus: Esther Mujawayo: Ein Leben mehr, S.203 ff.

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