Genozid an den Tutsi 1994

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Inhaltsverzeichnis

Mord

Der Genozid von 1994 war bewußt geplant worden und wurde systematisch vollstreckt. Er endete in einem brutalen Abschlachten von etwa einer Million Menschen in etwa 100 Tagen. Die Mörder nahmen vor allem Männer und Jungen ins Visier. Die hinterließen tausende Witwen und Waisen. Die ruandische Bevölkerung besteht zu etwa 60 – 70% aus Frauen, die Hälfte von ihnen sind Witwen.

Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt

Ruandische Frauen und junge Mädchen waren nicht nur Augenzeuginnen der Folterungen und der Ermordung ihrer Familien, sie erlebten nicht nur die Zerstörung ihrer Häuser und ihres Besitzes; sie waren auch Objekte extremer und brutaler Formen sexualisierter Gewalt.

Die, die überlebten, tragen die Last der Gräueltaten und des Krieges. Viele sind gezeichnet von Machetenhieben und Narben, viele sind von einzelnen oder ganzen Banden vergewaltigt worden, oft wurden dabei scharfe Gegenstände verwendet. Auch Säure wurde oft eingesetzt, um die Frauen zu verstümmeln und sie so daran zu hindern, ein Tutsi-Kind zur Welt zu bringen.

Sexualisierte Gewalt wurde eingesetzt, um die Frauen zu demütigen, in vielen Fällen nachdem, während oder bevor sie Zeugin werden musste, wie ihnen nahestehende Menschen ermordet wurden. Zeuginnenaussagen belegen, daß HIV-infizierte Männer bewusst die Frauen infizierten. Das soziale Stigma, das mit einer Vergewaltigung verbunden ist, wurde so als wirkungsvolle Waffe eingesetzt, um die soziale Stellung dieser Frauen anzugreifen.

HIV AIDS

Es überrascht nicht, daß die Opfer sexueller Gewalt eine stark negative Einstellung zum Leben haben. Eine Studie, die von AVEGA bei 1125 Überlebenden durchgeführt wurde, ergab daß 80% schwertraumatisiert sind und bei etwa 70% wurde eine HIV-Infektion festgestellt. Die Folgen von HIV/AIDS werden bei diesen Frauen zunehmend offensichtlich. AIDS bildet jetzt eine größere Lebensgefahr als der Krieg und der Genozid selbst. Die sozialen und ökonomischen Konsequenzen sind stark zu spüren bei dieser schon vorher verletzlichen und belasteten Gruppe. Für die AVEGA-Mitglieder stellt das Problem der Vergewaltigung und der dabei entstandenen HIV/AIDS-Infektionen die äußerste Verletzung von Menschenrechten dar.


"Uns fiel bald auf, dass uns immer mehr Vergewaltigungen bekannt wurden, durch die Einzelgespräche, in denen uns die Mädchen und Frauen anvertrauten, daß sie HIV-infiziert waren. Sie sagten das Unsagbare auf ihre Weise. Achtzig Prozent der Frauen, die überlebt haben, wurden vergewaltigt, und über die Hälfte von ihnen ist HIV-infiziert. Schlau sind die Völkermörder vorgegangen, haben ihnen den schleichenden Tod eingeimpft. Ein großer Teil der Opfer ist bereits gestorben. den anderen fehlen so gut wie alle Mittel sich behandeln zu lassen."

"Ich bin nicht pathetisch, ich beschreibe hier, was ich wirklich miterlebe, aus nächster Nähe: Als Therapeutin bei Avega sehe ich seit Jahren viele dieser Frauen sterben, und das Schwierigste dabei ist, dass meine Arbeit mir vor Augen führt, wie unfähig ich bin, meine Patientinnen am Leben zu halten."

Dafroza

Die erste, die ich verloren habe, hieß Dafroza:
sie war neunzehn, als sie starb, und vierzehn, als sie vergewaltigt wurde.
Sie war Kellnerin in einem Restaurant und uns aufgefallen, weil sie so unendlich traurig wirkte.
Ein zierliches Mädchen, so hübsch, aber eben mit diesen traurigen Augen, todtraurig.
Daran ist sie schließlich auch gestorben, an ihrer Traurigkeit, ihrer Krankheit, ihrer Verzweiflung.
Sie war von einer ganzen Mörderbande missbraucht worden, die kurz vorher fast ihre gesamte Familie niedergemetzelt hatte.
Wir von Avega mussten tatenlos zusehen, wie sie uns verstarb:
Wir hatten die fünfhundert Doller nicht - die eine Dreifachtherapie damals pro Monat gekostet hätte - um sie am Leben zu halten.
Gleichzeitig aber stellt der Internationale Strafgerichtshof, der über die Verbrechen des Völkermords urteilt, den Inhaftierten die Therapie kostenlos zur Verfügung.
Ein paar von den Mördern, die Dafroza infiziert haben, wurden im Ausland verhaftet; sie warten dort auf ihren Prozess und werden, im Gegensatz zu ihr, medizinisch behandelt, damit sie im Prozess aussagen können.
Dass Dafroza hätte am Leben bleiben müssen, um auszusagen, daran hat niemand gedacht.

"Das Überleben einer HIV-infizierten Frau bedeutet, dass man die Gnadenfrist verlängert, die sie mit ihren Kindern und Adoptivkindern verbringen kann – um ein Jahr, zwei, fünf Jahre vielleicht, und das ist immerhin ein Gewinn, ein Gewinn an empfangener Liebe, an einer Fülle gegebener Ratschläge, an Erinnerungen, die weitergegeben werden können."

Spenden für AVEGA

Ev. Kirchengemeinde Dellwig/Frintrop/Gerschede
Sparkasse Essen
Konto-Nr. 282 400
BLZ 360 501 05
Verwendungszweck: HHSt. 532.00.0004 AVEGA

Wir danken der Ev. Kirchengemeinde Dellwig/Frintorp/Gerschede in Essen, daß sie Spenden für AVEGA entgegennehmen und ohne Abzüge an AVEGA-Ruanda weitergeben. AVEGA ist politisch, religiös und weltanschaulisch unabhängig.

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