Forschungsarbeiten im PSZ

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Inhaltsverzeichnis

Cinur Ghaderi: Selbstverortungen und Perzeptionen politisch aktiver MigrantInnen am Beispiel von KurdInnen aus dem Irak


Dissertation von Cinur Ghaderi

Einführung
In der aktuellen politischen Diskussion um Deutschland als Einwanderungsland und die Rolle von MigrantInnen in Öffentlichkeit und Politik spielen Fragen der Aktivierung des Individuums eine zentrale Rolle. Die Wissenschaft ist deshalb herausgefordert, über MigrantInnen als politische Akteure vermehrt nachzudenken und zu untersuchen, wie es zu Subjektivierungs- und Identifizierungsprozessen kommt. Dieses Forschungsvorhaben untersucht am Beispiel von Kurden aus dem Irak die politische Identität von MigrantInnen aus zentralen Konfliktregionen in Zeiten der Globalisierung. Die Arbeit verortet sich in der qualitativen soziologischen Migrationsforschung und erforscht anhand der Biographien politisierter MigrantInnen die Rekonstruktion von Selbstverständnis, Handlungsstrategien und Verortungsperspektiven intellektueller KurdInnen im Kontext der Fluchtmigration. Die leitende Fragestellung dieses Forschungsvorhabens ist, wie sich auf der Ebene der Subjekte durch migrationsbedingte Identitätsverände-rungsprozesse nationalkulturelle Wertvorstellungen modifizieren und wie sich Differenzen und Grenzen im Ethnizitäts- und Geschlechterverhältnis verschieben, aber auch neu konstituieren. Im Fokus stehen Selbstverortungen und der Wandel ihrer politisierten Identität insbesondere in Bezug auf Vorstellungen zu Ethnizität und Geschlecht. Diese Arbeit verbindet Erkenntnisse der Migrationssoziologie mit denen der Identistätsforschung und der interkulturellen Geschlechterforschung

Forschungsstand
Die Forschung geht von ambivalenten geschlechtsspezifischen Einflüssen (nationaler) Identitätskonstruktionen in der Migration aus, z.B. kann die kulturelle Abwertung von Migranten in ihnen zur verstärkten Identifikation mit dem Herkunftsland führen und ein Bemühen auslösen, dieses aufzuwerten. Die Aufwertung und Aufrechterhaltung der ethnischen Identität wiederum kann geschlechtliche Leitbilder legitimieren, die soziale Ungleichheit reproduzieren. Insofern besteht die Notwendigkeit den widersprüchlichen subjektiven Erfahrungen von Vergesellschaftung insbesondere von Geschlecht und Ethnizität im Kontext der Migration Rechnung zu tragen, um die Faktoren für Veränderungen politisierter Identitäten zu untersuchen. Diese transnationalen Identitäten werden in der neuen Forschung als „enträumlicht“, „hybrid“ oder „deterritoralisiert“ beschreiben. Trotz dieser Uneindeutigkeiten haben individuelle Zugehörigkeitskonstruktionen sozial-emotionale Bedeutung. Insbesondere durch Flucht und Migration kommt es zu identitätsverändernden Prozessen, da Migranten versuchen, trotz der veränderten sozialen Systeme Kontinuität zu kreieren, durch imaginierte Kontexte und translokale Beziehungen, mit situativ flexiblen und multiplen Zugehörigkeitskonstruktionen z.B. durch die Schaffung von „ethnisch“ definierten Institutionen oder durch die Identifikationen mit Gemeinschaften der Aufnahmegesellschaft, in denen sie partizipieren und für die sie sich gar politisch engagieren. Politisches Handeln impliziert Zugehörigkeit, impliziert Identität - auch kollektive – und ist Ausdruck des (veränderten) Selbst.

Forschungsfragen
Die Leitfrage ist, wie politisch aktive MigrantInnen ihre bisherige politisierte biographische Entwicklung rekonstruieren und welche handlungsrelevanten Zukunftsvisionen aus ihnen erwachsen. Aus diesen Rekonstruktionen sollen Erkenntnisse für die weiteren Forschungsfragen gewonnen werden:

  • Zu welchem Wertewandel kann Migration in Zeiten der Globalisierung bei politisch aktiven MigrantInnen führen, besonders in Bezug auf die nationale Identität und die Wahrnehmung von Geschlechterverhältnissen?
  • In welchem Zusammenhang stehen mögliche multiple politische Zugehörigkeiten, überlappende nationale Identitäten und politische Partizipation?
  • Welche subjektive Bedeutung wird der politischen Partizipation in deutschen Parteien gegeben? Welche Chancen ergeben sich durch diese Partizipation sowohl für die MigrantInnen als auch für die Parteien? Wie wird dies tatsächlich subjektiv mit Integration in Zusammenhang gebracht?
  • Welche handlungsrelevanten Zukunftsvisionen verfolgen die politisierten kurdischen MigrantInnen? Welche Rolle spielt Deutschland in ihren subjektiven Konzepten?


Sample und Untersuchungsbereiche
Es werden leitfadenorientierte fokussiert-strukturierte Tiefeninterviews mit 24 Personen (12 m, 12 w) durchgeführt. Das in den Blick genommene Sample sind politisch aktive kurdische MigrantInnen, die seit mindestens fünf Jahren in Deutschland leben. Gemeinsame Merkmale sollen die ehemals politische Aktivität, das akademische Bildungsniveau und derzeitig mittle-res Erwachsenenalter sein. Um eine möglichst breite Varianz im Hinblick auf die politische Orientierung zu erreichen, sollen jeweils sechs aktive Mitglieder aus 1. kurdisch-nationalen Parteien, 2. islamisch-religiösen Parteien, 3. transnationalen, antirassistischen Organisationen / deutschen Parteien erfasst werden und 4. sechs Personen, die sich vom aktiven Engagement distanziert haben. Durch diese Kriterien ist eine enge Fassung der Gruppe gegeben, gleichzeitig wird eine breite Varianz politischer Orientierungen berücksichtigt. Im Interview sollen folgende Bereiche untersucht werden: (A) Genese und Entwicklung der eigenen Politisierung, (B) Selbstverortungen (Zugehörigkeit; Lebensentwürfe; Potentiale) und (C) Perzeptionen und Wertewandel (Konfliktperzeptionen; Ethnizitätsverhältnisse; Geschlech-terverhältnisse; Lösungsperzeptionen).


Erwartungen
Die Untersuchungsgruppe von ehemals politisch aktiven kurdischen MigrantInnen aus dem Irak eignet sich besonders gut für diese Forschungsfrage, da deren Biographien widersprüchlich geprägt sind von Nationalismus und internationalem Engagement, von einer autoritär-patrrchal-islamischen Gesellschaftsordnung im kurdischen Irak mit dem damit verbundenen „Ehrenkodex“ und der Auseinanderseiatzung mit den Strömungen zu Individualisierung und Gleichstellung in Deutschland. Es werden die relevanten neueren Ansätze der Geschlechterforschung, Identitätstheorien und Migrationsforschung innovativ zusammengeführt, dabei ist eine Weiterführung des Forschungsstandes im Bereich politische Partizipation von MigrantInnen, in Bezugnahme säkularer und religiöser Faktoren und Identitäten im Spannungsfeld von Ethnizität und Geschlecht zu erwarten.


Kontakt: Cinur Ghaderi cghaderi@hotmail.com
Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Ilse Lenz, Ruhr-Universität Bochum, FB Sozialwissenschaften, Lehrstuhl für Geschlechter- und Sozialstrukturforschung, Zweitbetreuer: Prof. Helmut Nolte HBS-Vertrauensdozentin: Prof. Dr. Ursula Apitzsch, Institut für Gesellschaftswissenschaften, J.-W. Goethe Universität Frankfurt'


Kindersoldaten als Flüchtlinge in Deutschland - Lebenswelten, Traumabewältigung und psychosoziale Arbeit

Dissertation von Dima Zito

Ca. 250.000 Kindersoldaten werden weltweit in Armeen und Rebellenverbänden eingesetzt – für Hilfstätigkeiten bis hin zur Beteiligung am Kampfeinsatz oder Gewaltakten gegen Zivilisten. Durch die Erfahrung extremer Gewalt als Opfer, Zeugen und Täter tragen diese Kinder und Jugendlichen meist schwere Traumatisierungen davon.
Diejenigen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, erleben hier oft Monate und Jahre struktureller Ausgrenzung und Unsicherheit. Viele von ihnen sind auf sozialarbeiterische und therapeutische Unterstützung angewiesen, um sich zu stabilisieren, die ungewisse Zeit des Asylverfahrens zu überstehen und ihre Erlebnisse verarbeiten zu können.

Dima Zito, Dipl.Sozialpädagogin und Systemische Traumatherapeutin, ist seit 2003 schwerpunktmäßig im Jugendbereich des PSZ tätig. Als Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung promoviert sie derzeit an der Universität Wuppertal mit einer Studie zu Kindersoldaten in Deutschland. Auf der Basis biographisch-narrativer Interviews mit 15 ehemaligen Kindersoldaten, ergänzt durch Interviews mit Fachkräften, werden die sozialen und psychischen Belastungen sowie die Bewältigungsstrategien der Jugendlichen und die Rolle psychosozialer Arbeit herausgearbeitet. Die Dissertation wird voraussichtlich 2011 abgeschlossen.
In 2009 wurden erste Ergebnisse bei folgenden Veranstaltungen oder Tagungen vorgestellt:
März: Kassel, Tagung Bundesfachverband Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
Juni: Halle, DGfE, Kommission Sozialpädagogik
August:

  • Düsseldorf: Vorstellung der Arbeit beim Netzwerktreffen Düsseldorfer FlüchtlingsberaterInnen
  • Vilnius: Vortrag auf der PhD-PreConference zur TISSA-Konferenz (New culture of welfare: the clash between managerial ideology, public image and professional identity)

September:

  • Zürich: Vortrag beim dritten Kongresses der Transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im deutschsprachigen Raum an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich
  • Dortmund: Vortrag beim Bundeskongress Soziale Arbeit

November:

  • Kassel: Vorstellung der Arbeit beim HBS-Promotionskolleg Moderne Kindheiten
  • Düsseldorf: Vorstellung der Arbeit bei der bundesweiten Themen-AG Kinder in bewaffneten Konflikten von terre des hommes


Veröffentlichungen in 2009:

  • Zito, D. (2009) Zwischen Angst und Hoffnung – Kindersoldaten als Flüchtlinge in Deutschland, Osnabrück: terre des hommes.
  • Zito, D. (2009) Kindersoldaten als Flüchtlinge in Deutschland. In S. B. Gahleitner & C. L. Gunderson (Hrsg.) Gender – Trauma – Sucht. Neues aus Forschung, Diagnostik und Praxis, Kröning: Asanger.
  • Zito, D. (2009) Überlebende des Tötens – Kindersoldaten als Flüchtlinge in Deutschland – Lebenswelten, Traumabewältigung und psychosoziale Arbeit. In: T. Heise (Hsrg.) Jeder ist weltweit ein Fremder - Tagungsband zum 2. Kongress der transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im deutschsprachigen Raum, Berlin: VWB-Verlag für Wissenschaft und Bildung.
  • Zito, D. (2009) Psychische Belastung und Therapie bei jungen Flüchtlingen, in: P. Dieckhoff (Hrsg.) Kinderflüchtlinge – theoretische Grundlagen und berufliches Handeln, Wiesbaden: VS-Verlag.


Kontakt: Dima Zito dima.zito@gmx.de

Auswirkungen der PTSD der Eltern auf das Verhalten und Erleben von Jugendlichen aus Sicht der Jugendlichen

Diplomarbeit von Fjorda Kalleshi

Im Rahmen meiner Diplomarbeit an dem Lehrstuhl für Diagnostik und Intervention an der Universität zu Köln und dem Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge Düsseldorf gehe ich der Frage nach, welche Auswirkungen die PTBS und ihrer komorbiden Störungen auf das Verhalten und Erleben von Jugendlichen haben. In wie weit nimmt die Erkrankung der Eltern Einfluss auf das Verhalten und Erleben der Jugendlichen?

Ziel dieser Arbeit war es, das Erleben und Verhalten von Jugendlichen, die mit einem traumatisierten Elternteil aufwachsen, aus der Eigenperspektive dieser Jugendlichen differenziert darzustellen. Durch den Vergleich der Einzelfälle sollte dabei die Frage beantwortet werden, ob die elterliche Traumatisierung Einfluss auf das Erleben und Verhalten dieser Zielgruppe nimmt und wie weit dieser Einfluss reicht. In Anlehnung an salutogenetische Forschungsansätze wurden auch solche Aspekte thematisiert, die auf die Herausarbeitung von Ressourcen der befragten Jugendlichen abzielten.
Bezüglich der psychischen Erkrankung ihrer Eltern brachten die Jugendlichen ihre Gefühle und Gedanken deutlich zum Ausdruck. Sie erzählten von Traurigkeit, Schmerz, Allein-gelassen Sein, aber auch von Wut und Ärger. Einige befürchteten sogar, das erkrankte Elternteil zu verlieren. Besonders die Zeit, in der eines der Eltern stationär behandelt wurde, stellte für viele Jugendliche, vor allem für weibliche Interviewpartnerinnen, die Verantwortungsübernahme für den Haushalt und die Betreuung jüngerer Geschwisterkinder eine nicht zu unterschätzende Belastung dar. Neben der emotionalen Belastung führte dies dazu, dass ihre schulischen Leistungen sich zum Teil verschlechterten. Zusätzlich zu der emotionalen Belastung aufgrund der psychischen Erkrankung eines der Elternteile, trugen die äußeren Lebensumstände bei. Für einige der interviewten Jugendlichen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus stellte die Bedrohung von der Abschiebung eine hohe Belastung dar. Auch diejenigen Jugendlichen, deren Aufenthaltsstatus in Deutschland gesichert ist, erzählten von ihren Ängsten und Unsicherheiten, als sie von der Abschiebung bedroht gewesen waren.
In vielen Familien werden das Thema der psychischen Erkrankung und besonders die Ereignisse im Heimatland weitgehend tabuisiert: „Wir wollen alles vergessen!“ Diese unterschwellige Botschaft verband die Interviews miteinander.
Um mit der elterlichen Erkrankung umgehen zu können, griffen alle Interviewpartner auf verschiedene Copingstrategien zurück. Überwiegend zeigten sich passiv- vermeidende Bewältigungsstrategien. Zu den personalen Ressourcen der untersuchten Jugendlichen zählten ein als positiv wahrgenommenen Selbst- und Fremdbild, ein stark ausgeprägtes Familiennetzwerk und Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Hilfreich in schwierigen Lebenslagen waren die Unterstützung durch das familiäre Netzwerk, der Zusammenhalt in der Familie und sportliche Aktivitäten. Die Wünsche der Jugendlichen bezogen sich hauptsächlich auf Gesundheit für sich und ihre Familienmitglieder, während ihre Zukunftspläne vor allem eine Berufsausbildung bzw. ein Studium mit einschlossen.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung weisen darauf hin, dass Flüchtlingskinder eine Risikogruppe darstellen. Doch bringen sie genügend Ressourcen mit, durch deren gezielte Förderung einem potenziellen Erkrankungsrisiko entgegengewirkt werden könnte.

„Räume für Träume“ - Evaluation eines gruppentherapeutischen Programms für Flüchtlingskinder

Diplomarbeit von Jessica Schwittek

In den Sommerferien 2008 fand im Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge Düsseldorf das Therapieangebot „Räume für Träume“ für belastete Flüchtlingskinder statt. Zwölf Kinder im Alter von 10-14 Jahren besuchten einmal wöchentlich das PSZ zu einem therapeutischen Gruppentermin. Die Gruppe wurde von einer Psychologischen Psychotherapeutin i.A. sowie von einer Psychologiestudentin geleitet. Im Rahmen einer Diplomarbeit im Fach Psychologie soll die Wirksamkeit des Gruppenprogramms untersucht werden.

Gruppenpsychotherapien wurden seit Slavson (1943) mit unterschiedlichen Altersguppen und bei verschiedenen Störungsbildern durchgeführt. Gruppentherapie ermöglicht Kindern und Jugendlichen, in einem geschützten Rahmen neue entwicklungsfördernde Erfahrungen zu machen. Zentrales Element der Gruppenpsychotherapie ist die Unterstützung durch Gleichaltrige, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Im Vorfeld der Sommerferien wurden die teilnehmenden Kinder untersucht. Hierzu wurden sowohl mit den Kindern als auch mit deren Eltern Interviews durchgeführt. Als diagnostische Instrumente wurden zusätzlich zwei Fragebogenverfahren herangezogen. Es handelt sich hierbei um den Fragebogen zu Stärken und Schwächen SDQ-D (Goodmann, 1997) sowie ein Fragebogen zu dissoziativen Verhaltensweisen SDE-J (Putnam, 2002).
Ca. zehn Wochen nach Abschluss des Gruppenprogramms wurden die TeilnehmerInnen ge-meinsam mit ihren Eltern erneut zu einem Gespräch eingeladen. Hierbei wurde ermittelt, in wieweit Veränderungen im Verhalten und Befinden der Kinder stattgefunden hatten. Auch die Fragebogenverfahren wurden erneut von den Kindern und ihren Eltern bearbeitet.

Obwohl eine umfassende Auswertung der Interviews und Fragebögen noch nicht vorliegt, kann bereits gesagt werden, dass das Angebot von den Kindern und deren Familien gut an-genommen wurde. Die TeilnehmerInnen besuchten die Gruppe regelmäßig und kamen gerne zu den gemeinsamen Treffen. Alle freuten sich, die anderen bei einem Nachtreffen in den Herbstferien wiederzusehen. Bei den Interviews im Anschluss an die Gruppe berichteten die Eltern positive Veränderungen im Verhalten ihrer Kinder. Bei einigen TeilnehmerInnen wurde zusätzlicher Therapiebedarf ermittelt, so dass diese Kinder nun zu weiterführenden Einzelgesprächen in das PSZ kommen.

Evaluation des Diversity Training-Grundmoduls

Abschlussarbeit des Master of Science von Judith Glüsenkamp


In einer zunehmend vernetzten Welt findet das Thema Diversity, also der Umgang mit der Heterogenität der Menschen, verstärkt Eingang in verschiedenste Arbeits- und Dienstleistungsbereiche. Während im Unternehmenskontext unter dem Titel Diversity Management schon vieles geschehen und auch erforscht ist, um produktiv mit der Heterogenität umzugehen, so wird die Diversität im Sozial- und Gesundheitswesen noch wenig explizit einbezogen.
Eins der wenigen Angebote zur Weiterbildung im Umgang mit Heterogenität bietet das PSZ Düsseldorf: Das Grundmodul des sogenannten Diversity Trainings mit Schwerpunkt Kultur thematisiert Diversität unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Konzepte wie der interkulturellen Kompetenz nach Auernheimer. Das Training läuft berufsbegleitend über ein Jahr und wurde bereits viermal durchgeführt.

Im Rahmen einer Masterarbeit im Fach Psychologie soll es evaluiert werden. Dabei stehen zwei Fragen im Mittelpunkt:

  1. Hat das Training Effekte gehabt?
  2. Worauf sind diese Effekte möglicherweise zurückzuführen?

Im Kontext der ersten Frage sollen in Anlehnung an Kirkpatrick [1] die möglichen Effekte auf vier Ebenen gemessen werden: Reaktion auf das Training und Zufriedenheit, Lerneffekte direkt im Anschluss an das Training, Transfereffekte im Arbeitsalltag, Institutionsveränderungen. Dazu werden folgende Daten herangezogen: Fragebögen, die die Teilnehmer direkt vor und nach dem Seminar ausgefüllt haben, sowie Interviews längere Zeit nach dem Training und eine Befragung der Seminarleiterin Eva van Keuk. Im zweiten Schritt sollen die gefundenen Effekte diskutiert und Hinweise auf mögliche Wirkfaktoren gesammelt werden. Dazu werden Aussagen der Teilnehmer und Leiterin sowie Forschungsergebnisse aus der interkulturellen und Diversity-Trainingsevaluationsforschung herangezogen. Abschließend sollen Überlegungen zur Verbesserung angestellt werden.

  1. Kirkpatrick, D. (1998). Another look at evaluating training programs. Alexandria, VA: American Society for Training & Development.

Abschlussarbeit des Master of Science Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum
Kontakt: Judith.gluesenkamp@gmail.com

Abstract of the Master’s thesis of M. Sc. Psychologist Judith Glüsenkamp
Professionals in german health and welfare institutions face a growing diversity among clients who differ in terms of culture and others. Upcoming diversity trainings aim at enhancing diversity competencies and at reducing prejudices against minorities. However, evidence for their effectiveness is scarce. The present study examines the effects of a one-year training analyzing the short-term and long-term effects on prejudices in a sample of 35 health and welfare professionals. Results show that only prejudices against foreigners had decreased immediately after the training. However, a rating two years after the training showed reduced prejudices also concerning other minorities. This largely long-term effect can be explained by the participant’s need to maintain his self-esteem which implies a long duration of change processes.

Persönliche Werkzeuge