EIF-Projekt Erziehungshilfe

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Projekt zum ‚Aufbau von Strukturen und niedrigschwellige Begleitung’ gefördert durch:

  • Europäischer Integrationsfonds EIF
  • und durch Eigenmittel des PSZ aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Kollekten

Leitung: Sabine Rauch

Projektzeitraum: 1.7.2009 - 28.02.2010
Arbeitsbereich ‚Erziehungshilfe’ im Kernbereich des PSZ finanziert durch Jugendämter und Eigenmittel des PSZ. Koordination: Abdoulaye Amadou, Annette Windgasse

Inhaltsverzeichnis

Ziele:

Ziel des Projekts ist der Aufbau eines Erziehungshilfenetzwerks für zugewanderte Familien durch
a) Kontaktaufbau, Ermittlung des Informationsbedarfs, Informations- und Fortbildungsangebote, Vernetzung von Einrichtungen der Erziehungshilfe und Jugendämtern in der Region des PSZ
b) Identifizierung und Fortbildung geeigneter muttersprachlicher Fachkräfte für den Einsatz in der Erziehungshilfe bei zugewanderten Familien
c) Präventive Begleitung einzelner Familien durch Angebote ähnlich der flexiblen Erziehungshilfe aber unterhalb der Schwelle eines Auftrags des Jugendamtes.
Mit dem Projekt Erziehungshilfe sollen vorrangig KlientInnen und Institutionen erreicht werden, die im Regierungsbezirk Düsseldorf leben / arbeiten und speziell diejenigen im näheren Umkreis der Stadt Düsseldorf.

Durch modellhafte Kooperation mit einzelnen Partnern einerseits und breite Netzwerkarbeit andererseits bietet das PSZ Düsseldorf seit über 20 Jahren die Gewähr für eine gezielte Weiterentwicklung von Ansätzen der Migrations- und Flüchtlingsarbeit, die eine weite Ausstrahlung über die unmittelbar Beteiligten hinaus haben. Für zugewanderte Familien, die sich aufgrund ihrer Vorgeschichte und/oder aktuellen Lebenssituation in besonderen Krisensituationen befinden, sollen die Angebote der ambulanten Erziehungshilfen verbessert werden.

Häufig ist der Kontakt auf Seiten der Familien geprägt von Angst vor behördlichen Eingriffen und Misstrauen gegenüber fremden Erziehungsvorstellungen. Auf Seiten der Träger von Erziehungshilfe-Angeboten mangelt es zum Teil an Wissen und Erfahrung in Bezug auf die Lebenssituation und Vorerfahrungen neu zugewanderter Familien, an Kontakt zu entspr. qualifizierten Sprach- und KulturmittlerInnen und an spezifischer Kompetenz im Bereich transkultureller Kommunikation. Häufig trübt ein kulturalisierender Blick das Verständnis des speziellen Anliegens der Familien, oft werden Erfahrungen aus der Arbeit mit ‚klassischen’ Arbeitsmigrationsfamilien übertragen und die Angebote verfehlen ihr Ziel.
Durch exemplarische Begleitung von Begleitungsprozessen, durch Kontaktaufbau und Fortbildungsangebote, durch Einbeziehung kompetenter Muttersprachler und deren Fortbildung sollen Chancen und Fallstricke in der ambulanten Erziehungshilfe besser verstanden werden und durch Netzwerkaufbau sollen die Angebote verbessert werden.

Gleichzeitig erprobt das PSZ präventive Beratungsangebote für Familien, deren Anliegen unterhalb der Eingriffsschwelle von Jugendämtern angesiedelt ist. Aus diesen Erfahrungen heraus sollen Schulen und ggf. andere pädagogische Einrichtungen beraten werden, wie sie ihre Kontakte zu zugewanderten Eltern optimieren können.

Angebote und Methoden:

Vor ca. drei Jahren wurde das PSZ in zwei Fällen um Unterstützung gebeten, in denen Kinder vom Jugendamt fremduntergebracht worden waren und nun in die Familie zurückgeführt werden sollten. Es ging dabei jeweils um alleinerziehende Eltern, die in ihren schwierigen und belastenden Lebenssituationen, zu Erziehungsmethoden gegriffen hatten, die das zuständige Jugendamt als nicht tragbar bzw. kindeswohlgefährdend eingestuft hatte. Die Kinder waren in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe untergebracht worden und das PSZ sollte nun zwischen Jugendamt und Eltern vermitteln und die Eltern auf die Rückkehr der Kinder vorbereiten.

Was an Beratungs- und Unterstützungsarbeit, Rahmenbedingungen und Methoden war notwendig, um eine erfolgreiche, dem Kindeswohl gerecht werdende und dem jeweiligen Sozialisationshintergrund entsprechende Rückführung und Reintegration in die Familie zu ermöglichen?

Zunächst ging es um Situationsklärung und Erziehungsberatung, was gut im Rahmen der psychosozialen Beratungsarbeit geleistet werden konnte. Im weiteren Verlauf stellte sich in den Gesprächen mit den Jugendämtern heraus, dass zur Rückführung der Kinder eine wichtige Voraussetzung gegeben sein musste: sozialpädagogische Familienhilfe mit dem Auftrag, Eltern und Kinder bei der Lösung ihrer besonderen, schwierigen Situation lösungsorientiert zu unterstützen in Form von praktischer Alltagsbewältigung ( Begleitung bei Behördengängen, Arztbesuchen, Arbeits- und Wohnungssuche etc.) und in Form von kultursensibler pädagogischer Arbeit in Bezug auf die unterschiedlichen Erziehungssysteme in denen sich die Familien jeweils bewegen. Das Erziehungssystem der Aufnahmegesellschaft und das von den Eltern in ihrer eigenen Sozialisation erlebte waren dabei zu berücksichtigen. Hierzu mussten wir entsprechend qualifizierte Fachkräfte finden, die sowohl im pädagogischen Bereich als auch in der Vermittlung von Sprach- und interkulturellen Zusammenhängen geschult waren.

Für beide Familien konnte eine Kraft gefunden werden, beide Kinder sind wieder in ihre Familien zurückgekehrt und werden seitdem intensiv durch die Fachkräfte begleitet.

Diese Unterstützung für das Familiensystem berührte auch immer wieder Fragen der allgemeinen Flüchtlingssozialarbeit: Aufenthaltssituation, Unterkunft, Arbeitserlaubnis und -möglichkeiten. Ohne ein einigermaßen stabiles soziales Umfeld war eine weitergehende pädagogische Arbeit nur schwer möglich.

Die Fachkräfte, die die Familien versorgten, nehmen im PSZ an regelmäßigen Fachgesprä-chen und der Praxisbegleitung teil. Innerhalb dieser Gespräche wurden Arbeitsschritte abgesprochen, Problemlagen erörtert und Informationen zu bestimmten Themen ausgetauscht. Des Weiteren gab es regelmäßige Hilfeplangespräche in der Regel in der stationären Einrichtung, an denen die Einsatzkräfte des PSZ, die Koordinatorin, die zuständigen MitarbeiterInnen der Einrichtungen und die MitarbeiterInnen des Jugendamtes teilnahmen.

Aus den Erfahrungen der ersten Fälle wurde deutlich, dass ein hoher Bedarf an Hilfen zur Erziehung bei Zuwandererfamilien aus außereuropäischen und südosteuropäischen Ländern besteht, also bei denjenigen, die nicht zu den klassischen Arbeitsmigranten gehören. Diese Familien sind häufig durch ihre Migrationsgeschichte und -gründe und durch ihre soziale Lage in Deutschland besonders belastet und ihr Kontakt zu Jugendämtern ist oft von Missverständnissen und gegenseitigem Misstrauen geprägt. Bei den Jugendämtern und bei Einrichtungen, die ambulante Erziehungshilfe anbieten, bestehen häufig in Bezug auf diese Zielgruppe Informationsdefizite und die MitarbeiterInnen erleben sich den multiplen Problemlagen und den Verständigungsproblemen gegenüber als hilflos.

Das PSZ ist aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen in der psychosozialen Flüchtlingsarbeit auf eine Arbeit mit diesen Zielgruppen gut vorbereitet. So entstand das Vorhaben, ein differenziertes Angebot der Erziehungshilfe aufzubauen: zum einen sollte für Familien, die Regelleistungen von Jugendämtern in Anspruch nehmen können, ein neuer Arbeitsbereich im PSZ aufgebaut werden, der sich als erster der PSZ-Arbeitsbereiche unabhängig von Projektmitteln tragen sollte. Unterhalb dieser Schwelle sollten Familien mit ähnlicher Problemlage, die keine Leistungen des Jugendamts in Anspruch nehmen konnten bez. wollten, ein niedrigschwelliges Angebot zur Unterstützung bei familiären Problemen gemacht werden. Letzeres, sowie die Vorbereitung des neuen Arbeitsbereichs, wurde vom Europäischen Integrationsfonds gefördert.

Defizite bestanden im PSZ noch zum einen in Bezug auf die rechtlichen Grundlagen und fachlichen Standards ambulanter Erziehungshilfe, zum anderen in Bezug auf die institutionellen Voraussetzungen. Deshalb hospitierte die Koordinatorin einige Tage in einer ambulanten Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung, um sich mit den speziellen Arbeitsstrukturen und Fragen wie z.B. zur Berechnung von Fachleistungsstunden in dem Bereich vertraut zu machen. Mehrere PSZ-MitarbeiterInnen arbeiteten sich in die gesetzlichen Grundlagen ein, Kontakte zu Jugendämtern wurden aufgebaut, Fachberatung anderer Träger eingeholt, erste konzeptionelle Überlegungen wurden festgehalten und ein Anforderungsprofil für Einsatzkräfte erstellt.

Das PSZ arbeitet nicht nur innerhalb der Stadt Düsseldorf. Der Einzugsbereich umfasst je nach Projekt den ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf und das übrige NRW und ist u.a. bekannt für seine Erfahrungen in der Arbeit mit Sprach- und Kulturmittlern. Wer auf der Suche nach interkultureller Beratung oder Unterstützung ist, stößt durch Mundpropaganda oder Internetrecherche auf die Beratungsmöglichkeit durch das PSZ. In der Telefonberatung häuften sich die Anfragen von MitarbeiterInnen in Jugendämtern bezüglich Unterstützung in Familien mit Migrationshintergrund bei Problemen aufgrund von Erziehungsdifferenzen oder -unklarheiten.

Was wurde erreicht:

Wir betreuen zurzeit 11 Familien aus 11 Ländern in fünf Städten in Düsseldorf und Umgebung. Das Angebot bewegt sich zwischen Sprach- und Kulturmittlung und klassischer sozialpädagogischer Familienhilfe und wurde von sieben Fachkräften und zwei KoordinatorIn-nen (eine für das EIF-Projekt, eine für die Erziehungshilfen im Auftrag von Jugendämtern) geleistet. Durch den PSZ-Dolmetscherpool und unsere Kontakte zu Sprach- und KulturmittlerInnen konnten wir für die meisten Anfragen passgenau Fachkräfte mit den notwendigen fachlichen und persönlichen Qualifikationen finden.

Die Aufträge variieren entsprechend der Situationen innerhalb der einzelnen Familien und den Anforderungen der Jugendämter:

  • Beratung und Begleitung bei der Entwicklung einer realistischen Lebens-, Erziehungs- und ggf. Berufsplanung,
  • Anleitung und Förderung von lebenspraktischen Fähigkeiten und deren Integration in den deutschen Alltag (Begleitung allein erziehender Mütter zur Orientierung im gesellschaftlichen System, um eine adäquate Erziehung und Entwicklung der Kinder zur gewährleisten)
  • Unterstützung bei der Bewältigung der Anforderungen durch Kindergarten, Schule, Sportvereine etc. z.B. Integration ins Regelschulsystem (von der Sonderschule auf die Hauptschule)
  • Förderung und Angebot von Freizeitaktivitäten mit sozialintegrativem Charakter,
  • Vermittlung von Wissen, z. B. in den Bereichen Gesundheit, Haushaltsführung und Hygiene.
  • Vermittlung erzieherischer Kompetenzen für die Eltern
  • Beratung bei Beziehungskonflikten zwischen Eltern und Kindernund bei Partnerproblemen, soweit diese die Erziehung beeinflussen ( Wiederherstellung einer gemeinsamen Erziehungsgrundlage und ein Ausgleich der Interessen und Werte der Eltern und der Kinder)

Neben den klassischen Methoden des sozialpädagogischen Handelns beinhaltet unser Angebot, dass die eingesetzten Fachkräfte über mehrere Sprachen neben der deutschen Sprache verfügen. In der Regel sprechen sie die Amtssprache des Herkunftslandes und zwei bis drei weitere Muttersprachen. Aus den oft extrem belastenden Lebenssituationen heraus sprechen die Eltern in den von uns betreuten Familien nicht ausreichend Deutsch, um sich den Anforderungen des erzieherischen Alltags zu stellen, und Informationen oder Möglichkeiten sich weiterzubilden stehen ihnen nicht wie selbstverständlich zur Verfügung. Die eingesetzten Fachkräfte ebenso wie die koordinierenden Hauptamtlichen des PSZ ver-fügen außerdem über Erfahrungen und Kompetenzen in transkulturellen Fragen und können so zwischen den unterschiedlichen Erwartungen und Ausdrucksweisen der Jugendämter und anderer deutscher Institutionen einerseits und denen der betreuten Familien andererseits gut vermitteln.

Die Arbeit in den Familien soll zunächst die Schnittstelle der interkulturellen Kommunikation in den Mittelpunkt stellen und dabei zielgerichtet und ressourcenorientiert vorgehen. Dabei werden die Familien in ihrer Selbständigkeit gefördert und die Einrichtungen der Jugendhilfe so lange interkulturell unterstützt, wie eine „einfache“ Kommunikation noch nicht möglich ist. Die Begleitung besteht zum einen aus individueller Betreuung, Beratung, Information für Eltern, Erziehungsberechtigte und andere wichtige Bezugspersonen und zum anderen in der individuellen Förderung der Kinder. Ziel ist, gemeinsam Schritte zu entwickeln, die in die Richtung einer nachhaltigen Verbesserung führen. Die Hilfen zur Erziehung, werden in einem ersten Hilfeplan in Stichpunkten richtungweisend beschrieben und im Laufe des Unterstützungsprozesses in weiteren Hilfeplangesprächen (vier bis sechs Wochen nach Hilfebeginn und später alle sechs Monate) durch weitere Handlungsziele modifiziert und immer wieder überprüft. Die Ziele werden gemeinsam mit der Familie erarbeitet, ergänzt und bei Bedarf verändert.

Fallbeispiel:

Familie P aus N:
Der Anruf kam vom Mitarbeiter des Jugendamtes, der durch eine Kollegin der städtischen Flüchtlingsberatung auf uns aufmerksam gemacht wurde. Es ging um eine Großfamilie mit einem mehrfach schwerstbehinderten Kind, Arbeitslosigkeit und Angst um die Aufenthaltser-laubnis, Kündigung des Mietverhältnisses, Ehestreitigkeiten etc. und wegen dieses Bündels an Problemen um stark überforderte Eltern. Er machte sich große Sorgen um diese Familie und sah den Bedarf an Unterstützung, aber Kommunikationsschwierigkeiten machten ein effektives Vorgehen fast unmöglich. Zunächst bestand die Unterstützungsanforderung darin, ein klärendes Gespräch mit den Eltern zu führen, um den Bedarf genau zu ermitteln und ggf. einen Antrag zu formulieren. Wegen der multiplen Problemlage wurde vereinbart, dass die sozialpädagogische Fachkraft und eine qualifizierte Sprach- und Kulturmittlerin des PSZ dieses Gespräch im Jugendamt mit dem Mitarbeiter und dem Elternpaar der Familie führen sollte. Das Gespräch machte deutlich, wie viele Kommunikationsstörungen es bereits im Vorfeld gegeben hatte, wodurch gewisse Handlungsschritte nicht umgesetzt werden konn-ten. Das Ehepaar machte deutlich, wie wichtig ihnen Unterstützung sei. Deshalb wurde vereinbart, dass ein Team vom PSZ als Hilfe zur Erziehung eingesetzt würde, bestehend aus einer pädagogischen Kraft und einer Fachkraft im Bereich Sprach- und Kulturmittlung. Beide Bereiche waren entscheidend, um das Kindeswohl innerhalb der Familie wieder zu festigen und den Eltern die Gelegenheit zu geben, ihrem Erziehungsauftrag entsprechend der Anforderungen innerhalb des sozialen Alltags ihrer Kinder gerecht zu werden.

Kooperationspartner:

Durch die unterschiedlichen Problemlagen ergeben sich die unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit mit anderen Trägern. So sind wir in den Hilfen zur Erziehung in Kontakt mit psychotherapeutischen Diagnosestellen für Kinder und Jugendliche, mit Freizeiteinrichtungen, mit Trägern von Bildungsmaßnahmen, mit Kindergärten und Schulen, ergotherapeutischen und logopädischen Praxen

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