AVEGA Merci

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Bericht von Esther Mujawayo an die SpenderInnen, die 2006 AVEGA unterstützt haben (Auszüge):

Inhaltsverzeichnis

Liebe Spenderinnen und Spender!

Bananenbastbild aus einem AVEGA-Projekt
Bananenbastbild aus einem AVEGA-Projekt

Seit einiger Zeit unterstützen Sie die Mitglieder von AVEGA, die Witwen des Völkermords und die Kinder, um die sie sich kümmern. Die Großzügigkeit von Ihnen allen ist unglaublich, individuell durch Einzelpersonen oder durch kirchliche Gruppen oder Chöre, bei Hochzeitsfeiern oder Geburtstagen, immer machen Sie AVEGA ein Geschenk. Und Sie kommen auf immer neue Ideen: Künstlerinnen malen für AVEGA oder organisieren Ausstellungen. Durch den TAZ-Pantherpreis im letzten Jahr und jedes Mal nach einer Lesung von „Ein Leben mehr“ gab es mehr Unterstützer und Unterstützerinnen für AVEGA und die Aktion „Eine Kuh für jede Witwe“.

Ich möchte mich entschuldigen dafür, dass ich Sie alle solange auf diesen Bericht und auf Neuigkeiten habe warten lassen. Es gibt Gründe für meine Verspätung. Neben den Verpflichtungen in meiner Familie arbeite ich mit einer halben Stelle beim Psychosozialen Zentrum in Düsseldorf, einer Therapieeinrichtung für traumatisierte Flüchtlinge. Die Vorträge und Lesungen gingen weiter. Zweimal war ich in Ruanda, um ein zweites Buch zu schreiben, „La Fleur de Stéphanie“, das im April in Frankreich erschienen ist.

Es sind zwei Überweisungen dieses Jahr nach Kigali abgegangen. Die Gelder werden im Büro von AVEGA in Kigali verwaltet. Von Kigali aus und von den drei Regionalbüros in Gisenyi, Cyangugu und Rwamagana aus werden die Bedürfnisse geprüft, die Zuwendungen und Einzelfallhilfen koordiniert und die entsprechenden Geldbeträge ausgezahlt.

Kühe

Bis heute wurden über 200 Kühe vergeben. Die Mitarbeiterinnen von AVEGA vor Ort sagen uns, wie glücklich die Frauen über diese Hilfen sind. Es ist zum einen das Gefühl, dass sie Freundinnen und Freunde haben, die sie zwar noch nie getroffen haben, aber die trotzdem an ihrem Schicksal interessiert sind. Schon diese Geste der Freundschaft und der Solidarität ist wichtig. Die Kühe sind, zweitens, eine Hilfe auf dem Weg, wieder Selbstvertrauen aufzubauen. Als Witwe ist man auf der untersten Sprosse der sozialen Stufenleiter. Jetzt, mit einer Kuh, die jeden Abend unter ihr Dach heimkommt, ist man wieder wer. Für viele Witwen leitete, drittens, das Kuhgeschenk auch eine Art Therapie ein. Sie knüpfen zum ersten Mal seit über 10 Jahren wieder an ihr Leben von früher vor dem Völkermord an. Eine Frau drückte das so aus: „Ich bin so glücklich, wieder den Kuhmist zu riechen und in der Nacht das Wiederkäuen meiner Kuh zu hören.“ Dieser Geruch und dieses Geräusch waren vorher Teil ihrer Welt gewesen. Jetzt können sie – trotz des Verlustes der Familie, des Hauses, des sozialen Status – an früher anknüpfen.

Häuser

Über einen Extremfall, der aber die Notwendigkeit eines eigenen Hauses illustriert, möchte ich Ihnen berichten: Ich besuchte Emeritha im Oktober. Man hat 1994 ihren Mann und fast ihre ganze Familie und Verwandtschaft umgebracht und – wie es üblich war – alles geplündert und ihr Haus bis auf die Grundmauern zerstört. Sie kampierte mit ihren Kindern erst behelfsmäßig in den Nachbarhäusern, die leer waren, weil die Nachbarn, darunter auch die Mörder ihrer Angehörigen, in den Zaire (Kongo) geflohen waren. Als die Nachbarn aus dem Kongo wieder zurückkamen, musste sie dort ausziehen. Sie hausten dann erst in einer Art Höhle, aber starker Regen zwang sie, diese zu verlassen. Weil sie nirgendwo hin konnte mit ihren Kindern, musste sie bei einem Nachbarn um eine Unterkunft bitten. Dieser ist einer der Mörder ihrer Familie. Sie wohnte in einer Hütte auf seinem Grundstück und muss an drei Vormittagen bei ihm arbeiten, um die Miete zu bezahlen. Eure Hilfe hat unmittelbar Abhilfe geschaffen. Sie hat jetzt wieder ein kleines eigenes Haus auf ihrem alten Grundstück. Emeritha ist nur ein Beispiel von vielen anderen.

Schulmaterial

Ein anderer Arbeitszweig von AVEGA, wo Ihre Hilfen sehr willkommen sind, ist die materielle Unterstützung für Schüler, vor allem Sekundarschüler, die als Kinder von Witwen zwar kein Schulgeld zahlen müssen ( das ist eine der wenigen Sozialleistungen des ruandischen Staates für die Genozidopfer), aber sonst alle Ausrüstungen und Schulmaterialien am Anfang des Schuljahrs kaufen müssen. Vor allem dann, wenn sie einen Internatsplatz an den Sekundarschulen bekommen haben, übersteigen die Kosten für den Anfang (Matratze, Bettbezüge, Decke), dazu Hefte und Schulbücher die finanziellen Möglichkeiten der Witwen- und Kinderhaushalte. Dabei ist ein Sekundarschulplatz das große Los für bessere Chancen im Leben. Ihre Hilfe für die AVEGA-Schulkinder erhält ihnen diese Chance.

Unterstützung der Waisenkinderfamilien

Es ist so wichtig, dass die Sozialarbeiterinnen von AVEGA, die in den Stadtvierteln unterwegs sind, ab und zu denjenigen jungen Leuten materiell helfen können, die verantwortlich sind für ihre jüngeren Geschwister. Es gibt im 8-Millionen-Volk der Ruander mehr als 100.000 Waisenkinder, die sich ohne erwachsene Erziehungsberechtigte durchs Leben schlagen. Deren Familienoberhäupter haben ihre Kindheit geopfert und auf Schule und Ausbildung verzichtet, um für ihre Geschwister zu sorgen. AVEGA hilft durch Ausbildung im Schneidern und zum Herstellen von Bananenbastpostkarten, damit sie ihre Familie ernähren können.

Esther Mujawayo-Keiner

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